Gottes Versprechen: Ewiges Leben und Trost

Er wir den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott, der HERR, wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volkes in allen Landen; denn der Herr hat’s gesagt.

Jes 25,8f.: Hier spricht ein Prophet (3. Jahrhundert vor Christus) aus dem Buch Jesaja, das ins 8. Jahrhundert vor Christus zurückreicht.

Gottes Versprechen

Eine berliner großbaustelle

Am Samstag voriger Woche, dem 12.04.2025, ging es los: Ohrenbetäubender Lärm, dichte Staubschwaden, hinabstürzende Betonbrocken ausgelöst von einem donnernden Steinmeißel und gierigen Betonzangen. Schwere Baufahrzeuge waren unermüdlich unterwegs. Vier Sattelzüge für 11.000t Bauschutt. Mit den Augen verfolgt von Zuschauerinnen und Zuschauern auf der Straße, aus den Fenstern und am Livestream der Autobahn GmbH. – Eine spektakuläre Großbaustelle!

Der Grund: Die Ringbahnbrücke der A100 musste allerschleunigst verschwinden. Ein Marode, wie sie war, bedrohte selbst die gesperrte Brücke noch die S-Bahn. Das hieß: Kein Autoverkehr auf der Brücke und kein S-Bahn-Verkehr auf der Ringbahn zwischen Westend und Halensee. Ein Verkehrsinfarkt! Schlimmer ging es nicht.

Wäre unser Prophet heute hier, hätte er sich so ausgedrückt: „Gott, der Herr, wird mit Steinmeißel und Betonzangen die Mauern des Todesreichs einreißen.“ Denn seine Art ist es, vom Überweltlichen weltlich und vom Göttlichen menschlich zu sprechen. Er doziert nicht, sondern liebt es plastisch. Haut etwas raus, weder gottgemäß erhaben noch würdevoll, und prägt so eine – nach Ansicht von Bibelwissenschaftlern – „im ganzen alten Orient unerhörte und auch im Alten Testament singuläre Aussage“: „Er wird den Tod verschlingen auf ewig.

Ein gemetzel zweier löwen

Der Tod lässt sich nicht wie eine Scheibe Toast zum Frühstück verspeisen. Er hat Macht und Wucht. Dazu aus der Bibel: Er geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, was er verschlingen kann. Manchmal lauert er auch leise im Verborgenen. In einer Herde Schafe wütet er nach Belieben. Niemand kann ihm entkommen.

Ihm soll nun widerfahren, was er anderen zuleide getan hat. Der Prophet proklamiert den Tod des Todes. Der Allesfresser wird selbst gefressen. Gott wird ihn niederkämpfen. Gott selbst, nicht ein Erzengel, wird ihn packen, zu Boden werfen und verschlingen. Mit Gegenwehr ist zu rechnen. In einem Gemetzel zweier Löwen wird der Tod aus dem Weg geräumt.

Jahrhundertelang galt: Endstation Totenreich! Kein pardon. Wird ein Mensch begraben, schließt sich hinter ihm das Gefängnistor. Das ist nun überholt: Die Macht des Gottes Israels wird nicht an den Pforten der Unterwelt Halt machen. „Deine Toten werden leben, deine Leichname auferstehen. Wachet auf und rühmet, die ihr liegt unter der Erde,“(Jes 26,19) lautet sein Versprechen.

„So hat es der HERR (= Jahwe) gesagt.“ Der Prophet trägt nicht seine Lieblingsgedanken vor. Er ist Bote Gottes und überbringt Israel dieses großartige Versprechen. Einzelne Andeutungen der Auferstehung in Psalmversen erscheinen dadurch in neuem Licht. Sie weisen in die Zukunft Gottes.

Ewiges Leben – pro und contra

„Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?“ Vor Ostern wurde eine repräsentative Umfrage durchgeführt:

  • 25% der Befragten: pro, 54%: contra und 18% antworteten: „Weiß nicht.“
  • Evangelische Landeskirchen: 31% pro.
  • Katholische Kirche: 30% pro. In den Großkirchen glaubt nur jeder Dritte an das ewige Leben.
  • Evangelische Freikirchen: 70% pro, die überwiegende Mehrheit.

Aus Untersuchungen wissen wir, dass Menschen, die in den Gottesdienst gehen, mit größerer Wahrscheinlichkeit den Glauben der Kirche teilen. Das schlägt bei den Freikirchen zu Buche.

Zur Zeit von Jesus waren es die Pharisäer, die sich dafür interessierten. Sie waren dankbar für Gottes Versprechen und beteten täglich: „Du bist mächtig in Ewigkeit, Herr, du belebst die Toten, du bist stark zum Helfen… Gelobt seist du Ewiger, der du die Toten wieder belebst.“ (Zweite Bitte des Achtzehnbittengebets)

Strikt dagegen waren die Sadduzäer, die Traditionalisten. Sie wiesen das ewige Leben ab als eine unerlaubte Neuerung: „Davon steht nichts in der Tora! Das hat Mose nicht gelehrt!“ Allein das war maßgeblich für ihren Glauben. Was bei den Propheten und in den Schriften (z. B. den Psalmen) stand, war zweitrangig, nicht verbindlich. – Jesus bemerkt einmal: „Ihr seid zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben.“(Lk 24,25) Auf gut deutsch: Warum seid ihr so begriffsstutzig und kümmert euch nicht um die Propheten? – Das betrifft auch die Sadduzäer.

Schützenhilfe für sie gibt es von dem Heidelberger Ägyptologen Jan Assmann (gest. 2024). Er arbeitete heraus: Was den Umgang mit dem Tod betrifft, kontrastieren die Kulturen Ägyptens und Israels scharf. In Ägypten dreht sich alles um ihn. Für das Leben nach dem Tod wurden die gewaltigen Pyramiden erbaut. Die Pyramiden von Gizeh zählten zu den sieben Weltwundern der Antike. Das alte Israel baut keine Pyramiden. Es kann mit dem Tod nichts anfangen. Hier steht die Geschichte Gottes mit seinem Volk im Vordergrund, der Auszug aus Ägypten und das Leben nach den Geboten Gottes im gelobten Land. Unseren Propheten aus dem dritten Jahrhundert vor Christus berücksichtigt Assmann dabei nicht. Dieser lenkt den Blick auf das von Gott gesetzte Ende und Ziel der Geschichte. Darauf spielt Jesus an.

Vom Standpunkt der Sadduzäer ist ein Leben nach dem Tod einfach lächerlich: „Was kommt da alles zusammen? Wer trifft wen?“ So nerven einige von ihnen Jesus (Mk 12,18-27): „Wass passiert eigentlich, wenn eine Frau plötzlich Witwe wird und der Bruder ihres Mannes, der mit ihr eine Schwagerehe geschlossen hat, kurz darauf auch ums Leben kommt? Dann ist der zweite Bruder an der Reihe, nach dessen Tod der dritte, und wenn sich gerade eine Seuche ausbreitet und die Familie zahlreich genug ist, der vierte, dann der fünfte, dann der sechste, womöglich auch noch der siebente Bruder des ersten Ehemannes? Sitzt die Frau dann im ewigen Leben mit allen sieben Männern da? Welch ein Graus!“

Fremdeln deshalb heutzutage viele Menschen mit einem Leben nach dem Tode? Wo komme ich da hin? Was soll ich da? Muss ich den ganzen Tag beten? Dann und wann hörte man von der Kanzel: „Im Himmel werdet ihr auch die Menschen treffen, die ihr auf der Erde nicht leiden konntet.“ Schöne Aussichten.

Herzenstrost

Gottes Versprechen besagt nicht platt: „Nach dem Tod geht es irgendwie, irgendwo mit irgendwem weiter.“ Jesajas Botschaft: „Und Gott, der HERR, wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen,“ bedeutet Gottes Versprechen gilt speziell den Menschen, deren Wunden die Zeit nicht zu heilen vermochte, über deren Leid kein Gras gewachsen ist.

Ich denke dabei an ein krebskrankes Kind in der Klinik. Es schaute seine Mutter an und fragte, wie nur Kinder fragen können: „Wer bringt mich ins Bett, wenn ich im Himmel bin?“ Herzzerreißend. – Ihm gilt das Versprechen: „Gott, der HERR, wird bei dir sein. Er wird dich ganz fest in seine Arme schließen, bis alle Tränen getrocknet sind.“

Ich denke an den Vater, dessen 17-jährige Tochter mit ihrem Freund 2023 in einem Regionalzug in Brockstedt, Schleswg-Holstein, hinterrücks erstochen wurde: „Es war so furchtbar. Als ich meine Tochter zum letzten Mal streichelte, war ihre Hand eiskalt.“ – Ihm gilt das Versprechen: „Gott, der HERR, wird bei dir sein, er wird dich ganz fest in die Arme schließen, bis alle Tränen getrocknet sind.“

Ich denke auch an die Witwe am Sterbebett ihres Mannes und Kameraden seit 45 Jahren: „Lass mich nicht allein! Wie soll ich ohne dich zurechtkommen?“ – Ihr gilt ebenfalls das Versprechen: „Gott, der HERR, wird bei dir sein, er wird dich ganz fest in die Arme schließen, bis alle Tränen getrockenet sind.“

Leben nach dem Tod – denn manches Leid kann niemand außer Gott stillen. Nach irdischem Unheil, Schmerz und Leid. Das Versprechen: „Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.“ (EG 533,1) Herzenstrost! Das ist die entscheidende Ansage, wenn es um das Leben nach dem Tod geht. Ein Glücksmoment. Die Vollendung. Über weiteren Zeitvertreib im Himmel brauchen wir uns keine Gedanken zu machen. Gottes Ewigkeit ist nicht in Stunden, Tagen oder Wochen zu messen.

Mit der Auferstehung Jesu Christi untermauert Gott sein Versprechen

„Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1. Kor 15,54f.) schreibt Paulus. Unüberhörbar – der Anklang an das Er-wird-den-Tod-verschlingen-auf-Ewig, das wir von unserem Propheten kennen. Paulus war Pharisäer. Als solcher liebte er Jesaja und hoffte mit ihm auf den Tod des Todes und das ewige Leben. Von ihm inspiriert, deutet er die Auferstehung Jesu Christi als ein umfassendes Geschehen, das über die Gsechichte unserer Welt hinausweist.

Freilich – Ostern war Paulus nicht zugegen. Als er Kenntnis von Jesus und seinen Sympathisanten bekam, bekämpfte er sie. Darüber vergingen zwei Jahre. Als er nach Damaskus unterwegs war, um dort Jesusleute aufzuspüren und dingfest zu machen, wurde er von überirdischem Licht geblendet und hörte: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ „Wer bist du, Herr?“ „Ich bin Jesus, den du verfolgst!“ Drei Tage lang blieb Paulus blind. Seine Begleiter mussten ihn nach Damaskus führen. Dort bringt man ihn in die kleine Gemeinde. Die ist zunächts alles andere als glücklich über sein Dabeisein. Bis sie merkten: Er war nicht mehr der Verfolger, den sie fürchteten, sondern ein nachträglicher Zeuge der Auferstehung, ein Apostel, der es eigentlich nicht verdient hat, Apostel zu sein.

Als solcher deutet er die Erscheinungen Jesu in Jerusalem und bei sich selbst. Der Tod musste Jesus herausgeben. Er konnte ihn nicht im Grab halten, weil ein Stärkerer ihn überwunden hatte. Jesus „zerbrach die Ketten des Todes und stieg als Sieger hervor,“ singen wir in der Heiligen Osternacht im Exsultet. Der von Jesaja angesagte Sieg Gottes über den Tod wurde Ostern errungen. So untermauert Gott das ihm gegebene Versprechen.

Es wird nicht ausbleiben, dass der Tod alle hergeben muss, die er in seine Gewalt gebracht hat. Wie Jesus werden sie ihre Gräber verlassen!

Ich komme zum Schluss

Das Schöneberger Südgelände ist ein erholsames Landschafts- und Naturschutzgebiet. Ein Wasserturm, eine Dampflokomotive und eine Drehscheibe zum Umsetzen solcher Lokomotiven erinnern an frühere Zeiten, an Berlins größten Rangierbahnhof. 130 Güterzüge kamen hier an, wurden auseinandergekoppelt und neu arrangiert. Weiter ging’s in Richtung Leipzig oder Dresden.

  • Das Leben nach dem Tod ist kein solcher Rangierbahnhof, auf dem ich abgestellt werde und Angst haben muss, vergessen zu werden, bis ich in neuer Gestalt quasi per Drehscheibe irgenwohin geschickt werde.
  • Vielmehr ist das ewige Leben ein unbescheiblicher Glücksmoment voller Trost und Freude. Ankunft bei Christus und Teilnahme an seinem Leben in Gott .
  • Das Versprechen Gottes, die tröstende Umarmung aller Betrübten, wurde mit der Auferstehung Jesu Christi untermauert und wird dereinst an uns vollendet werden.

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