13) Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. 14) Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. 15) Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.
16) Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Das Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. 17) Elia war ein schwacher Mensch wie wir; und er betete ein Gebet, dass es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate. 18) Und er betete abermals, und der Himmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht. (Jak 5, 13-18)
Stoppt das Krankenhaussterben!
Unsere Verwandten aus den Vereinigten Staaten hatten sich die Reichtagskuppel ausgeguckt und Karten für die Besichtigung besorgt. Von dort aus wollten wir weiterziehen zum Berliner Dom. Auf dem Pariser Platz war eine Menschenmenge mit Trillerpfeifen, Plakaten, ARD und ZDF versammelt. Es handelte sich um die zentrale Kundgebung der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Der Redner zählte auf: „300 Kliniken bangen um ihre Existenz, weitere sind hoch verschuldet. Die Kosten steigen. Die Vergütung reicht nicht aus.“ Dabei fiel er sich wirkungsvoll immer wieder refrainartig ins Wort: „Hört auf uns. Stoppt das Krankenhaussterben!“
Im modernen Krankenhaus sollen körperliche und seelische Gesundheit Hand in Hand gehen. Hinzukommend zu den hochspezialisierten Ärztinnen und Ärzten, die den Kranken behandeln, zu den Pflegediensten, die ihn versorgen, leisten Sozialarbeiter; Psychologen und Seelsorger in praktischen und persönlichen Fragen Beistand.
Aus der Krankenhausseelsorge
Für die Krankenhausseelsorge gilt: „Geteiltes Leid ist halbes Leid.“ Die Seelsorgerin oder der Seelsorger wird dem Kranken zuhören, sich in ihn einfühlen, seine Ängste, Befürchtungen und Hoffnungen teilen. Und vielleicht mit ihm überlegen, was seine Situation erhellen könnte. – Schmerzen, eine lebensbedrohliche Krankheit, eine Operation von großer Tragweite führen uns an unsere Grenzen, üben eine zerstörerische Macht aus, haben Depression, Angststörung, Hoffnungslosigkeit im Gepäck. Dazu das lange Alleinsein im Krankenzimmer.
Wie ist es dabei mit einem Gebet? Man sagt: „Eine Krankheit stößt einen in die Richtung weiter, in die man bereits unterwegs ist.“ Wer sich schon lange von Gott entfernt hat, sieht sich durch seine Schmerzen bestätigt. Wer gewohnt ist, mit Gott Freund und Leid zu teilen, wünscht sich ein Gebet. „Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen.“ (Vers 13)
Das Gebet des Glaubens
Eine Heilungsbewegung
Die Jesusbewegung war eine Heilungsbewegung! Kein Wort steht in der Bibel über die Kunstfertigkeit der damaligen Medizin, über ihre Breiumschläge, Verbände, Heilpflanzen und Operationsbestecke mit 20 und mehr Zangen, Messern und Bohrern. Allenfalls ein bisschen Öl wird erwähnt. Dann Jesus ist es , der heilt. Die Leute standen Schlange, wenn er in der Stadt war (Mk 2,1f.). In seinem Auftrag machten die Jünger Menschen gesund (Mk 6,13). Zur Zeit des Jakobusbriefs kommen die Ältesten der Gemeinde im Namen Jesu zum Kranken. Heute beschränken wir das Gebet des Glaubens für Kranke nicht auf Amtsträger. Es gibt Gebetskeise, die viel Gutes bewirken. „Betet füreinander, dass ihr gesund werdet.“
In der frühchristlichen Gemeinde herrscht eine ansteckende Zuversicht: „…das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten.“ (Vers 15) Der Kranke wird aufstehen und sein Bett verlassen können. „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“ (Vers 16) Dabei blickte man auf Elia. In seinem Gebet ging es streng genommen nicht um Heilung, sondern um Meteorologie. Im Streit mit seinem König hielt Elia durch sein Gebet für mehrere Jahre den Regen an. Erst nach einem weiteren Gebet strömte es wieder. Ein schwacher Mensch kann ein vollmächtiger Beter sein.
Der unvergängliche Besitz
Wenn ich zu sterbenskranken Menschen gerufen wurde, stärkten mich die folgenden Worte:
3) In seinem großen Erbarmen hat er (Gott) uns neu geboren und mit einer lebendigen Hoffnung erfüllt. Diese Hoffnung gründet sich darauf, dass Jesus Christus vom Tod auferstanden ist. 4) Sie richtet sich auf das neue Leben, das Gott schon jetzt im Himmel für euch bereithält als einen Besitz, der niemals vergeht oder verdirbt oder aufgezehrt wird. 5) Wenn ihr Gott fest vertraut, wird er euch durch seine Macht bewahren, sodass ihr die volle Rettung erlangt, die am Ende der Zeit offenbar wird. (1.Petr 1,3-5, Die gute Nachricht)
Wir stehen als Christen in einer lebensspendenden Gemeinschaft. Jesus Christus hat uns mit einer lebendigen Hoffnung erfüllt. Sie liegt für uns bereit und kann jederzeit ergriffen werden. Ihr Inhalt ist ein neues Leben, ein unvergänglicher Besitz, der nie seinen Wert verliert. Im Gegensatz zu unserem alten Leben, das matt und runzlig geworden, eines Tages vergehen wird.
Tragender Grund dieser kühnen Hoffnung ist die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Christus hat den Tod überwunden und will uns daran Anteil geben. Wer Gott fest vertraut, der wird über den Tod hinaus bewahrt. Wenn sein Leib stirbt, wird seine Person das überstehen. Der Tod wird jeden Körper einmal vertilgen, aber die Seele geht ihm dabei durch die Lappen. Da greift er ins Leere. Jesus tröstet: „Habt keine Angst vor denen, die nur den Körper töten können, aber nicht die Seele. (Mt 10,28)
Das gilt auch für die Krankheit. Sie kann den Körper malträtieren und töten, aber ich bin mehr als mein Körper.
Ein Telefonat, das zu Herzen ging
Am späten Abend telefonierte ich mit einer jungen Frau. Sie sprach leise, verhalten, mit knappen Worten: „Ich bin so allein.“ Sie meldete sich aus einem Krankenhaus. Ich vermute in einer Langzeittherapie. Denn sie erwähnte den Schulunterricht, den sie dort erhielt. Und das nicht zum ersten Mal. Je nach Befund musste sie zwischen dem Krankenhaus und ihrer häuslichen Umgebung hin- und herpendeln. Sie klang matt, betrübt, aber nicht erschöpft, sogar im Innersten ungebrochen: „Ich weiß, ich komme nach Hause – zu meinen Eltern oder zu Gott.“
Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber all seine Verheißungen. Wie gut, wenn man sich im Schutz dieser Verheißungen bergen kann!
Ein Behandlungsfehler?
„Oberschenkelhalsbruch“ – ein Routineeingriff, so denkt man! Schließlich ist das die am häufigsten im Krankenhaus behandelte Fraktur. Auch ein mir gut bekannter Herr, 85 Jahre alt, war dieser Ansicht, als er Anfang Juli nach einem schmerzhaften Sturz in seiner Wohnung ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Aus dem Krankenhaus ging es nach sechs Tagen in eine Reha. Nach 14 Tagen kam er schon wieder nach Hause. Dort entwickelten sich unerträgliche Schmerzen. Eine Komplikation! Sofort wieder ins Krankenhaus, zweite strapaziöse Operation mit Austausch der künstlichen Hüfte. Aber die Schmerzen ließen sich nicht in den Griff kriegen. War ein Krankenhauskeim im Spiel? Einziger Ausweg: die Entfernung auch der zweiten künstlichen Hüfte in einer erneuten Operation von zwei Stunden Dauer. Vier Wochen nach dem Sturz fand die Trauerfeier statt. Diese Prozedur überstieg seine Kräfte.
Die Angehörigen, der Sohn und seine Familie, waren fassungslos. Sie standen die ganze Zeit mit den jeweiligen Ärzten vom Dienst in Kontakt und wurden professionell über den nächsten Behandlungsschritt ins Bild gesetzt. Das beruhigte sie, denn sie nahmen schon wahr, dass es dem Vater zunehmend schlechter ging. Im Nachhinein vermissten sie einen festen Ansprechpartner mit Überblick über den gesamten Krankheitsverlauf. Auch mir ging dieses Schicksal sehr nahe. Kann man daraus eine Lehre ziehen?
Sünde
In unserem heutigen Bibelabschnitt kommt zweimal das Wort „Sünde“ vor: Einmal heißt es:…wenn er (der Kranke) Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden“. (Vers 15) Beim Kranken tritt zur Heilung die Vergebung der Sünden. Ein anderes Mal wird gesagt: „Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet.“ (Vers 16)
Über Sünden nachzudenken, ist heilsam, ein Angebot zur Gewissenerforschung: Wo habe ich Gutes unterlassen und Böses getan? Was habe ich versäumt? Wo habe ich versagt? Was ist mein Anteil daran, dass andere leiden?
Die Ärzte sind technisch-operativ vorgegangen. Sie wechselten ein Ersatzteil durch ein anderes aus und machten das gleich wieder rückgängig, als keine Besserung eintrat. Der Patient hat diese Prozedur nicht überstanden. Rechtlich ist ihnen nichts vorzuwerfen. Die Angehörigen werden sie nicht belangen. Das bringt ihnen ihren Vater nicht zurück. Aber schweigt ihr Gewissen dazu? Ein Mensch ist gestorben. Musste das sein?
Die Einsicht vor Gott in mein Versagen kann der erste Schritt zur Korrektur sein. Für den Oberschenkelhalsbruch gibt es ein besseres Verfahren: Die Behandlung im Team, zu dem auch ein Altersmediziner gehört. Dadurch will man verhindern, dass 10% der Patienten nach einer Oberschenkelhalsbruchoperation innerhalb von 30 Tagen versterben. Zur Zeit ist das noch der Fall, wie leider auch bei dem mir bekannten Herrn.
Ich komme zum Schluss
- Wir wünschen unseren Krankenhäusern eine auskömmliche Finanzierung!
- In der Krankenhausseelsorge wird der Patient behutsam begleitet – gegebenenfalls auch mit einem Gebet des Glaubens.
- Ein solches Gebet kann Zuversicht zu Gottes Verheißung schenken: „Ich weiß, ich komme nach Hause. In jedem Fall.“
- Das Wort Sünde enthält ein Angebot zur Gewissenserforschung. Wenn ich mein Versagen erkenne, bekenne und korrigiere, verbessere ich die Welt.

