18) Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19) Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20) und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28,18-20)
Seit 1999 hat Berlin eine neue Sehenswürdigkeit: die Reichstagskuppel Norman Forsters, 23m hoch, weithin sichtbar. Transparent und voller Leben überwölbt sie den Plenarsaal, in dem deutsche Geschichte geschrieben wird. Nachts strahlt ihr Licht. Besucherinnen und Besucher müssen sich in eine lange Warteschlange einreihen, um von der Dachterrrasse aus in das gläserne Kunstwerk zu gelangen.
Mit dieser Kuppel möchte ich die Trinität vergleichen, der seit 1334 der Sonntag nach Pfingsten gewidmet ist. Sie bündelt die Feste Weihnachten, Ostern und Pfingsten und überwölbt die vielfältigen Erfahrungen mit Gott in der Geschichte. Transparent und voller Leben. Hier laufen alle Fäden zusammen, hier wird der eine Gott in drei Personen ebenso wie die drei Personen in der einen Gottheit geehrt. Zu ihr führen zwei Wege, die klassische Route entsprechend dem großen Glaubensbekenntnis von Nicäa (325) und Konstantinopel (382), und eine gewichtige Beobachtung zum Kreuz Christi aus der Theologie unserer Tage.
Eines Wesens mit dem Vater
Im Großen Glaubensbekenntnis(EG 805) verstärken sich die Aussagen über Jesus Christus, den Sohn Gottes. Sie bilden eine Stufenleiter beginnend mit „Gott von Gott“, es folgen: „Licht vom Licht“, „wahrer Gott vom wahren Gott“, „gezeugt, nicht geschaffen“ (demnach kein Geschöpf). Diese Formeln kursierten seit längerem. Sie bewegten sich im Bereich des damals Vorstellbaren. Unterhalb von Gott rechnete man mit gottähnlichen Energien und Gestalten. Die Streitfrage war, ob sie sich eigneten, Jesu Hoheitswort „Wer mich sieht, der sieht den Vater“(Joh 14,9) zu begreifen.
Den Durchbruch brachte in Nicäa eine bisher nicht gebräuchliche Formel, die noch 60 Jahre exotisch blieb, „eines Wesens mit dem Vater“. Auf längere Sicht hin wird durch sie der griechische Gottesbegriff überformt, „getauft“, könnte man sagen. Die Richtung wies Athanasios (gest. 373), der zeitgenössische, später zum Kirchenvater erhobene Bischof von Alexandrien:
„Es ist angemessener Gott vom Sohn her zu erkennen und ihn Vater zu nennen, als ihn nach seinen Werken zu benennen und ihn als den Ungeschaffenen zu bezeichnen.“
Die Philosphie definierte Gott als Gegenpol zur Welt, als unbewegten Beweger, einzig und ewig. – Gott, der Vater Jesu Christi, dagegen spricht, liebt und mischt sich ein.
Wie Jesus Christus zu Gott gehört
In der gegenwärtigen Theologie ist es der Blick auf den Gekreuzigten, der zum dreifaltigen Gott führt. Pilatus beabsichtige, Jesus zu eliminieren, für immer verschwinden zu lassen. Statt dessen wurde sein Kreuz für die Christen zum Heils- und Rettungszeichen, unter das sie sich bewusst stellten. Jesu Tod war nicht vergeblich. Am Kreuz wurde das Opfer zum Heil der Welt gebracht. Christus ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt, und uns seinen Frieden schenkt. Aber nicht aus eigener Kraft, eines Wesens mit Gott, dem Vater: „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber“. (Kor 5,19)
Wir müssen unser Bild von dem Geschehen am Kreuz korrigieren. Man denkt, es läuft so ab wie im Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Mt 21,33-39), aber das stimmt nicht! Gott ist kein Senior-Chef, der in seinem Sessel sitzen bleibt, und vom Schreibtisch aus erst die Knechte, dann den Sohn ins Verhängnis schickt. Nein, Gott ist aktiv, mischt sich selbst ein. Er fordert nicht, dass ihm ein Menschenopfer gebracht wird, er handelt selbst und stiftet dardurch, die schmerzlich vermisste Versöhnung. Das ist die frohe Botschaft!
Wie der Heilige Geist zu Gott gehört
Auch der Heilige Geist gehört wesenhaft und ewig zu Gott, „wird mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht“. Anno 382 dekretierte eine Synode in Rom darüber hinaus, was im Großen Glaubensbekenntnis aus bestimmten Gründen nicht zu finden ist, „dass der heilige Geist ebenso wie der Sohn wahrhaftig und im eigentlichen Sinne vom Vater, von der göttlichen Substanz und wahrer Gott ist“. Man trug dem Rechnung, dass der Heilige Geist in der Bibel wie der Vater und der Sohn den Gottes-Titel „Herr“ trägt. „Der Herr ist der Geist.“(2. Kor 3,17)
Worin besteht die Wesenseinheit des Geistes mit dem Vater? Ich finde sie in dem Wort: „Ich bin…, der da ist und der da war und der da kommt“ (Offb 1,8). Wie Gott altert der Heilige Geist nicht. Er ist die Quelle, die nie versiegt, die Flamme, die nie verlöscht, das Kraftfeld ohne Spannungsabfall. Wie er Pfingsten einschlug, blieb er, wirkmächtig, aufbauend und befreiend. Er befeit Menschen für Gottes Liebe und Vergebung und zieht in ihr Herz ein in aller Welt, auch in unserer Stadt.
Hier kann man auch ganz andere Eindrücke gewinnen, aus denen die Soziologie den Tod Gottes konstatiert. Von einem Treffen der Klima-Kleber Letzte Generation in der evangelischen St. Thomas Kirche im April wurde berichtet: „Diese jungen Leute waren von ihrer Mission so durchdrungen, von der Unumstößlichkeit ihrer Wahrheit so überzeugt und insgesamt von einer solchen Inbrunst bewegt, wie das die Protestanten schon lange nicht mehr hinbekommen.“ – Das muss nicht das letzte Wort bleiben. Der Heilige Geist ist nicht jedermanns Sache, aber er gibt niemanden auf. Er hat noch viel vor, denn er ist auch der, der da k o m m t , dessen Ankunft naht.
Vater, Sohn und Heiliger Geist wirken zusammen wie ein Tripelkonzert
Die Prägung durch den griechisch-metaphysischen Gottesbegrif, „der unbewegte Beweger“, führte dazu, biblische Aussagen „Wer mich sieht, der sieht den Vater“, „Gott war in Christus“, „Ich bin…der da ist und der da war und der da kommt“ abzublocken.
Das konnte die christliche Gemeinde nicht hinnehmen. Sie brauchte eine schützende Kuppel über der Heiligen Schrift. Dazu mußte sie sich ihrerseits zum Wesen Gottes äußern, aber so, dass sein Geheimnis gewahrt blieb. Ohne seine Unerforschlichkeit anzutasten. Sie folgte dabei der Richtschnur: „So wie Gott uns gegenüber in der Geschichte auftritt, so ist er in sich selbst von Ewigkeit her.“ Das ermöglichte behutsam und vorsichtig, ein Kontur seines Wesens zu entwerfen.
Dazu ein Beispiel: Ludwig van Beethoven komponierte nicht nur ein Violinenenkonzert und fünf Klavierkozerte, sondern auch ein sogenanntes Tripelkonzert mit drei Solisten, die Klavier, Violine und Violoncello spielen. Die Heilsgeschichte ist in diesem Sinne ein gewaltiges Tripelkonzert. Gott dirigiert nicht nur am Pult sondern spielt auch im Orchester mit, das Klavier mag für den Vater stehen, die Violine für den Sohn, das Violoncello für den Heiligen Geist. Jedes Instrument hat seinen Part. – Um das Heil der Welt zu bewirken, spielt Gott selbst mit. Er erfindet sich dazu aber nicht neu, sondern erscheint als der, der er immer schon war und ist. Vom Tripelkonzert fand die Christenheit zur Trinität, zu dem einen Gott in drei Personen und den drei Personen in einer Gottheit.
Gott ist in sich dreifaltig. Stellen wir uns einen Fächer vor. Er ist in drei Falten gegliedert. Jede Falte steht für sich, kann z. B. anders bemalt sein. Sie bleibt dabei Teil des Ganzen. Wird der Fächer zugeklappt, ist sie verborgen.
Unbesehen wird die Trinität gern mit der chemischen Formel H2O erläutert: „Die chemische Formel H2O deckt je nach Temperatur drei Erscheinungsweisen ab: unter null Grad Eis, dann Wasser und ab 100 Grad Dampf. Eine Formel drei Aggregatszustände. So erscheint der eine Gott mal als Vater, mal als Sohn mal als Heiliger Geist.“
- Der Haken dabei ist: Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist sind in sich verschieden. Der Vater ist eine eigene Person, der Sohn ist eine eigene Person und der Heilige Geist ist eine eigene Person. Sie gehen nicht ineinander über, verwandeln sich nicht ineinander. Jede der drei Personen ist für sich Gott und Herr, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
- Es gibt noch eine weiteren Haken: Eis, Wasser und Dampf befinden sich nicht gleichzeitig im selben Kochtopf. Vater, Sohn und Heiliger Geist wirken häufig miteinander und zugleich wie in einem Tripelkonzert. In sich – gewissermaßen vor und nach dem Konzert – bilden sie eine lebendige, gleichrangige Gemeinschaft.
Ich komme zum Schluss
Am heutigen Dreifaltigkeitsssonntag haben wir gehört, wie Jesus die Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geists anordnet. Auf ihn sind wir auch getauft.
Dann ging es um die Taufe des Gottesbegriffs:
- Die Christenheit verehrt den in sich dreifaltigen Gott, der so zu uns kommt, wie er in sich selbst ist, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. – Nicht einen unbewegten Beweger.
- Die Christenheit verehrt einen Gott, der selbst ans Kreuz gegangen ist. – Nicht eine jenseitige Majestät, deren Ehre durch Opfer wiederhergestellt werden muss.
- Die Christenheit weiß sich von Gottes lebendigem Geist geleitet.- Keineswegs hockt sie an einem erloschenen Feuer.
Unsere Zukunft ist geborgen unter dieser transparenten Kuppel voller Leben!

