Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten. (Mt 2, 2)
Die große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn
Die Tagesschau berichtete es am 20.12.2020: „Himmelsschauspiel: große Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn.“ Rund um den Erdball verfolgten Wissenschaftler und Hobbyisten eine Annäherung der beiden Riesen. Obwohl sie Millionen von Kilometern voneinander entfernt sind, lange und länger brauchen, um die Sonne zu umkreisen, der Saturn 12 Jahre und der Jupiter 30 Jahre, befanden sie sich von der Erde aus gesehen auf einer Sichtachse. Für das blosse Auge schienen sie zu verschmelzen.
Dazu Susanne Hüttenmeister von der Sternwarte Bochum: „Eine solche große Konjunktion passiert alle 20 Jahre. Die nächste ist 2040 zu erwarten. Die Paneten werden dann aber nicht ganz so dicht beieinander stehen. Derart ineinandergeschoben wie in diesem Jahr haben sie sich zum letzten Mal vor 400 Jahren.“
In der Wilhelm-Foerster-Sternwarte am Insulaner lässt sich der Sternenhimmel vergangener Zeiten berechnen und aufrufen. Er füllt dann die Kuppel des Saals. Diese Zeitmaschine zeigt im Jahr 7 vor Christus dreimal die Engstellung von Jupiter und Saturn: Am 1. Juni morgens, am 15. September und am 12. November abends.
In den Wochen dazwischen liefen sie auseinander und dann wieder aufeinander zu. Wie ein Paar, das sich streitet, nicht voneinander lassen kann, wieder zueinander findet, bis es dann endgültig kracht. Alle 258 Jahre kommt es zu diesem Spektakel in verschiedenen Tierkreiszeichen. 794 Jahre versteichen, ehe sie sich dreimal im selben Sternbild begegnen. Das ist dann ein Jahrtausend-Ereignis. So war es 7 vor Christus.
Wer sind die Weisen?
„Wir haben seinen Stern aufgehen sehen!“ Wer konnte so etwas beteuern? Wenn überhaupt jemand, dann Leute aus dem Zweistromland, dem ehemaligen Babylonien, in dem damals die Parther herrschten. Dort blühte seit der Zeit der Sumerer eine astronomisch-astrologische Hochkultur. Nächtelang wurde der Himmel mit freiem Auge fixiert. Es gelang, die Positionen von Himmelskörpern zu berechnen und ihre Bahnen vorauszusagen.
In Sippar am Ostufer des Euphrat, heute 30km von Bagad entfernt, stand ein Tempel des Sonnengottes Shamash. Aus diesem Ort stammen Keilschrifttafeln, auf denen das Jahrtausend-Ereignis verzeichnet ist. Priester-Astronomen haben sie angelegt. Die Schrift spricht von „Magiern“, Weisen. Zu Königen, gar Heiligen, wurden sie erst später befördert. Dabei spielten ihre Geschenke in Verbindung mit Psalm 72,10 eine Rolle: „Die Könige von Tarsis und auf den Inseln sollen Geschenke bringen, die Könige aus Saba und Seba sollen Gaben senden.“
Unternehmungslustig, beherzt und wohlhabend stelle ich sie mir vor. Keine Stubenhocker,sondern Entdecker. Sie wagten sich auf eine 60tägige, risikoreiche Karawanenreise.
Des Rätsels Lösung
Ihre Reise kann eine Merkwürdigkeit erklären:
In diesen Tagen ziehen Mädchen und Jungen als Sternsinger durch die Stadt. Mit Kronen auf den Köpfen folgen sie dem Wanderstern, der auf einem Stab vorangetragen wird. Nie verfehlen sie ihr Ziel. Viele denken: „So ist das auch damals gewesen.“ Ein Führungswunder, vergleichbar der Feuer- und Wolkenssäule, die das Volk Israel einst durch die Wüste geleitete. Ganz ohne Astronomie.
Wenn das so gewesen wäre, warum treffen die Weisen dann nicht punktgenau in Bethlehem ein? Dort ist Jesus zu finden. In Jerusalem machen sie Herodes argwöhnisch. Das Verderben nimmt damit seinen Lauf, auch wenn sie auf dem Rückweg eine erneute Begegnung vermeiden. Warum müssen erst Schriftrollen gewälzt werden, bis man auf Bethlehem kommt? Kennt der Wanderstern sein Ziel gar nicht?
Des Rätsels Lösung könnte so aussehen: Die Sterndeuter entdeckten das Jahrtausend-Ereignis am Himmel und zogen daraus ihre Schlüsse. Für sie waren die Sterne nicht stumm. Sie hatten Namen und kündigten irdische Ereignisse an.
- Jupiter ist der Regent unter den Planeten, der Königsstern.
- Saturn ist der kosmische Repräsentant für Israel.
- Die Fische sind das Sternbild des Westens. Vom Euphrat aus gesehen, die Länder am Mittelmeer.
Wenn der Königsstern den Stern Israels dreimal im Sternbild des Westlandes trifft, können Astrologen darin folgendes entdecken: Ein König der Juden wird geboren im Lande der Juden. – Dementsprechend wandern sie nach Israel und dort in die Hauptstadt Jerusalem. In der berechtigten Annahme, dass der neue König im dortigen Königspalast vorzufinden sei. Wo denn sonst? Und sie staunten nicht schlecht über die Ahnungslosigkeit im hohen Hause.
Der Stern über Bethlehem
Weiterhin berichtet die Schrift: „Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.“ (Mt 2,9)
Das könnte auf die dritte Engstellung von Jupiter und Saturn im November zutreffen, die am Abendhimmel im Süden von Jerusalem aus in Richtung Bethlehem zu sehen war. Bethlehem liegt auf einem Hügel, auch der Weg dahin war hügelig. „Verläßt man Jerusalem, so scheinen die südlichen Sterne zunächst über dem ersten Hügel oben zu stehen. Hat man diesen erreicht, so wandert der Stern gewissermaßen weiter und steht für das Auge des Wanderers plötzlich über einem entfernteren, Bethlehem näheren Hügel. Endlich aber, je näher dem Ziel, reicht der Blick bis Bethlehem, auf einer Höhe liegend, die dahinter liegenden Berge mehr und mehr verdeckt“, so eine Reisebeschreibung. Hinzu kommt möglicherweise noch ein Lichtkegel, der dort auch schon beobachtet wurde.
Das soll ein König der Juden sein?
Die Erscheinung am Himmel war spektakulär, konnte aber astronomisch eingeordnet werden. Was die Weisen auf der Erde vorfanden, fiel aus dem Rahmen. Ein unbekanntes Baby in Klein-Bethlehem bei versprengte Eltern von verblichenem Adel.
Sie traten auf, wie es einem neuen Großkönig der Parther angemessen gewesen wäre, überreichten zeremonielle Königsgaben: etwas Gold, das Königsmetall, etwas Weihrauch. Mit dem schwingenden Weihrauchkessel wird der König geehrt. Sowie etwas Myrrhe, damit wird der König gesalbt. Dann warfen sie sich nieder, bis die Stirn den Boden berührte. Achselzuckend. Tief war die Hoheit Jesu verborgen.
Jesus ein Adoptivsohn Davids
Aus dem vorherigen Kapitel des Matthäusevangeliums sind wir besser im Bilde. Josef war fassungslos. Seine junge, hübsche Verlobte war im Hause ihrer Eltern schwanger geworden. Er wollte sie nicht anzeigen, aber sauer war er schon. „Sie kommt mir nicht in mein Haus!“ Er plante eine Scheidung in aller Stille. Ein Engel Gottes war vonnöten, um ihm den Rücken zu stärken. „Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist.“(Mt 1,20)
So erklärt der Engel die besonderen Umstände der Schwangerschaft Marias. Es gibt keinen Nebenbuhler. Das Neugeborene stammt nicht aus natürlicher Zeugung. Sein Menschsein ist allein im Wirken Gottes begründet. Die Kraft, durch die Gott in der Welt wirkt, ist der Heilige Geist. – Josef läßt sich das durch den Kopf gehen. Am Ende befolgt er den Rat: Er nimmt Maria zu sich, adoptiert ihr Kind und gibt ihm den Namen Jesus. Aber was für eine Adoption war das!
Rollentausch
Die Krone Elisabeths II. samt Zepter und Reichapfel wurde am 19. September von ihrem Platz auf dem Sarg umgesetzt auf den Altar der St. Georgs-Kapelle in Windsor. Damit wurde sie in Gottes Hand zurückgegeben. Von dort wird sie Charles III. sie am Tag seiner Krönung empfangen. Als Zeichen dafür, dass Gott ihn bevollmächtigt, sein Amt zu führen.
Im alten Israel wurde bei einer Krönung ausgerufen: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.“ (Ps 2,7)
Die Amtseinsetzung wurde als eine mystische Neuzeugung verstanden. Gott adoptiert einen Menschen. Im Evangelium verläuft es umgekehrt: Ein Mensch (Josef) adoptiert Gott, den Sohn, den Maria entbunden hat.
Das geschieht, weil die Evolution keinen Messias hervorbringen kann. Josefs Stammbaum umfasst 40 Vorfahren, 26 von ihnen sind Nachfahren Davids. Kommen als Messias in Frage, der ein „Sohn Davids“ sein soll. Ich beschränke mich auf die letzten Zwölf: Jojachin, Scheatiel, Serubabbel, Abihud, Eljakim, Azor, Zadok, Achim, Elihud, Eleasar, Mattan, Jakob. Alles achtbare Leute, die zu ihrer Zeit ihr Bestes gegeben haben. Aber außer ihren Namen wissen wir nichts mehr von ihnen. Keiner war der Messias. Wenn es einen Retter geben soll, muss ihn der Himmel selbst senden! Das ist die Logik dieser Ahnentafel. Deshalb endet sie nicht patrilinear mit der Zeugungsformel: „Josef zeugte Jesus“, sondern Jakob zeugte Josef, den Mann Marias, von der geboren ist Jesus, der da heißt Christus. (Mt 1,16)
Josef adoptiert Jesus und befördert ihn dadurch zum „Sohn Davids“ (Mt 1,1). Weil Gott selbst in ihm zu uns kommt, kann er uns neu mit Gott verbinden und retten. Das ist das Herzstück unserer Religion, das wir an diesem zweiten Weihnachtsfest der Kirche feiern. Viele Menschen sind resigniert: „Wenn es Gott gibt, ist er fern und interessiert sich nicht für mich.“ Wir sind da zuversichtlich: In Christus ist Gott mitten unter uns. Gewiss verhüllt, leider, aber nicht unauffindbar.
Ich komme zum Schluss
- Gott ruft an die Krippe. Die Hirten durch Engel. Die Weisen durch den Stand der Sterne. Es gibt Spuren Gottes in der Welt. Nehmen wir sie wahr!
- Menschen aus einer anderen Religion finden durch die Sterne über Jerusalem nach Bethlehem. Auch in anderen Religionen wird Jesus wahrgenommen und geehrt. Zollen wir einander Respekt!
- Womit ehren wir Jesus, die wir ihn besser kennen als die Weisen? Was schenkst du ihm? Was ist dein Gold, dein Weihrauch, deine Myrrhe?

