Frohes Fest: Geschichte und Tradition der Weihnachtsfeier

Ich freue mich, dass wir heute zusammen Weihnachten feiern und begrüße Sie herzlich: Euch ist heute der Heiland geboren, ein heller Schein in unserer dunklen Welt!

In diesen Tagen sind viele verzweifelt. Sie denken an die Menschen in der Ukraine in Krieg und Kälte; sie denken an den hohen Krankenstand in unserer Stadt; sie denken an die Kosten für Heizung und alles Übrige…Euch ist heute der Retter geboren, ein heller Schein in unserer dunklen Welt!

Freude und Erwartungen, Kummer und Sorgen teilt er mit uns: Euch ist heute der Helfer geboren, ein heller Schein in unserer dunklen Welt!

Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. (Lk 2,12)

Der Weihnachtsbaum

Im vorigen Jahr am 21.12., ein Tag vor Weihnachten, sollte ab 17:00 Uhr bei Familie Hövermann der Weihnachtsbaum geschmückt werden. Alles lief nach Plan. Der Baum wurde vormittags ausgepackt und im Zimmer aufgestellt, damit die Zweige sich ausbreiten konnten. Ich hatte eine 200er Lichterkette angeschafft, (Im letzten Jahr war eine der beiden kleineren Ketten ausgefallen.) sie der Länge nach abgewickelt und kreisförmig durch die Zweige geführt. Schalter ein. Was war das?

Eine Farbwalze! Mich traf der Farbschlag: Die Lichter kunterbunt. Rot, grün, blau, gelb. Ein intensiver Farbeffekt, der unseren zarten Schmuck vollständig überblenden würde. Das geht gar nicht!!

Bei Rossmann und im Elektrogeschäft waren Lichterketten ausverkauft. So kurz vor dem Heiligen Abend kein Wunder. Die Hersteller-Firma, ganz in unserer Nähe ansässig, hatte schon ab 18:00 Uhr über die Feiertage geschlossen. Blieb noch das Bauhaus. Da gab es noch 200er Ketten allerdings mit schwarzem Kabel. „Dort kann ich morgen noch hinfahren.“

Geplättet googelte ich am späten Abend noch mal, finde die passende Kette im Netz, bestelle: „Wir liefern morgen Vormittag .“ Auf die Fahrt zum Bauhaus verzichte ich gern. Zwischen den grünen Zweigen würde ein schwarzes Kabel ohnehin nur stören.

Am 24.12. vormittags ist der Baum noch unberührt. Das gab es bei uns noch nie. Wird er in diesem Jahr ohne Beleuchtung auskommen müssen? Gestern Abend bestellt, heute ausgeliefert. Kann doch gar nicht funktionieren. Die Paktetstation in Ludwigsfelde ist doch völlig verstopft. Die Zeit verstreicht. Eine Zitterpartie. – Es klingelte nach 12:00 Uhr: Der Bote mit der kurzfristig bestellten Lichterkette. Bravo!

Die Krippe

Wie ruhig und friedlich ist demgegenüber die Weihnachtskrippe. Sie wird einfach ausgepackt und aufgestellt. Sie ist nicht aufdringlich, aber leicht zu übersehen neben der funkelnden Tanne. Deshalb wollen wir uns heute der Krippe widmen. Tatsächlich wird Weihnachten in der Bibel durch zwei Zeichen sichtbar gemacht: Durch die Krippe und den Stern. Und durch zwei Feste: Am 24./25. Dezember wie die Hirten durch die Krippe Jesus auffinden und am 6. Januar, dem Erscheinungsfest, wie die Weisen durch den Stern zu ihm gelangen. Die Tanne kam später dazu im globalen Norden.

Was hat ein Neugeborenes in einer Futterkrippe zu suchen?

Bei uns regiert nicht mehr der Kaiser Augustus, aber seine Maßnahmen überdauern die Zeiten. Wir hatten in diesem Jahr eine Volkszählung, stichprobenweise. Ich bekam einen Brief mit Fragen. Besitzer einer Eigentumswohnung, mussten eine Erklärung zur Grundsteuer abgeben. Ohne Papier digital zu Hause mit dem System ELSTER. Sorgte für viel Verdruss. Der Abgabetermin musste verschoben werden.

Auch damals ging es darum, das Volk zu zählen und die Steuern zu erhöhen. Wege zum Amt wurden nicht eingespart. Im Gegenteil. Es galt die Meldepflicht am Zuständigkeitsbereich für die Kopf- und Grundsteuer. Für Josef und seine Frau war das Bethlehem, weil er von David abstammte. Dort musste er vor dem Zensor des Kaisers erscheinen. Unverzüglich. Ohne Aufschub, ohne Rücksicht auf die Schwangerschaft. Die römische Besatzung war brutal. Besonders, wenn es ums Geld ging.

Von einer jungen Mutter hörte ich: „Im neunten Monat war ich bei meinem letzten Vorsorgetermin in der Uhlandstraße. Die Ärztin: ‚Sie können beruhigt sein. Es ist noch nicht so weit.‘ Auf der Rückfahrt saß ich im Doppeldecker oben und fuhr bis Zehlendorf-Süd. Es schaukelte ganz schön. Hin und her. Dann die Unterführung unter dem S-Bahnhof Zehlendorf… Was sage ich Ihnen? Drei Stunden später begannen die Wehen.“ – Was ist eine Busfahrt im Doppeldecker gegen 140km Fußmarsch von Nazareth nach Bethlehem? Selbst wenn Maria auf einem Esel saß, mich wundert die prompte Niederkunft in Bethlehem nicht. Das hätte schon auf der Reise passieren können.

Für eine Entbindung steht bei uns eine Klinik oder eine Hebamme zur Verfügung. Mit vorheriger Anmeldung, versteht sich. – Bei der ungeplanten Niederkunft in Bethlehem konnten Maria und Josef auf die übliche Gastfreundschaft zählen. Die Frauen strömten herbei und halfen und holten, was man brauchte. Da wurde niemand allein gelassen.

An einem Punkt gab es kein Pardon. In der Unterkunft war kein Platz außer in einer kleinen Höhle oder Grotte in der Nähe. Bei der „Unterkunft“, von der hier die Rede ist, handelte es sich um ein privates Haus: Ein einziger Raum im Schnitt nicht größer als 3,50m mal 5,50m. In der Nähe der Tür hatten die Tiere ihren Platz. Der hintere Teil des Wohnraums war etwas erhöht, hier lebten die Menschen. Man saß auf Strohmatten auf dem Boden.

Für die verbleibenden Tiere stand besagte kleine Höhle als Stall zur Verfügung. In die in den Fels geschlagene Futterkrippe bettete man Jesus. Auf diese Weise gelangte der Neugeborene in eine Futterkrippe! Die Geburtskirche in Bethlehem wurde über einer Grotte errichtet. Zum Andenken an die Geburt Jesu ist dort ein 14zackiger Stern in den Boden eingelassen.

An der Krippe wird Weihnachten sichtbar:

Für die Hirten

„Hier muss es sein. Ich sehe ein Wickelkind in einer Krippe!“ Auf einmal umstanden Hirten die offene Grotte. In ihren schweren Hirtenstiefeln hatten sie den Ort durchkämmt, so gut es ging. In ein Haus hätte man sie kaum eingelassen. Sie waren arm, schmutzig und verwildert. Tagelang draußen. Man traute ihnen nicht. Wenn ein Tier gerissen wurde, mussten sie ein Ohr als Beweisstück dafür vorlegen. Man wollte sicher gehen, dass sie es nicht unter der Hand verscherbelt hatten. Dieser Kontakt mit toten Tieren war ein Problem. Er machte sie unrein. Zeit, Gelegenheit und Mittel, das im Tempel aus der Welt zu schaffen, hatten sie nicht. So wurden sie angegiftet: „Sünder seid ihr!“ Sie lebten in einer dunklen Welt.

„Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ Gegenwärtig hatten sie ein übervolles Herz. Engel waren ihnen erschienen. Stahlendes Licht im Dunkel der Nacht. Sie priesen ein neugeborenes Kindchen in den höchsten Tönen. Sprachen von seiner großen Zukunft als Retter Israels, als Messias und als kommender Herr in der Stadt Davids, Bethlehem. Dort sollte es in dieser Nacht aufzufinden sein. In Windeln gewickelt wie alle anderen Neugeborenen; sein Alleinstellungsmerkmal: Es liegt in einer Futterkrippe!

Den Hirten stach ein Wort besonders ins Ohr: „Retter“. Sie hörten darin schon „Freund aller, die als Sünder abgestempelt werden.“(Lk 7,34), wie man Jesus später nannte. Er machte um die Geächteten keinen Bogen, sondern half ihnen. Die Hirten hofften, dass er auch ihre Situation klären würde. Sie waren glücklich, „priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten“(Lk 2,20). Ihre ausgelassene Freude ist der Ursprung unserer Weihnachtsfeiern. Wir haben ja noch vor, heute zu feiern.

Für Maria

„Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“(Lk 2,19) Nach dem Aufbruch der Hirten hatte sie einen Moment für sich. Das Neugeborene war versorgt, Josef schlief schon. Sie hatte sich die Geburt ihres Sohnes ganz anders vorgestellt. Zu Hause in freundlicher Umgebung. Heute war für sie keine gemütlicher Feiertag wie für uns. Eher ein Stück dunkle Welt, enttäuschend. Das Leben ist nicht reibungslos. Je länger sie grübelte, half ihr die Nachricht der Hirten, den höheren Sinn in all dem zu erkennen: Ihr Neugeborenes in dieser Futterkrippe war ein Zeichen Gottes!

Für uns

Christ, der Retter, ist da! Ein heller Schein kommt in unsere dunkle Welt! Gott stellt sich neben mich. Er möchte mein Leben mit mir teilen, Freude und Erwartungen ebenso wie Kummer und Sorgen. Ich bin nicht allein auf mich gestellt. Er rät und tröstet. – Ich sage Ihnen nichts Neues. Wir sind ja seine Gemeinde.

Wir sehen in ihm mehr als die Hirten in ihm sehen konnten. Aus dem vorhergehenden Kapitel des Lukasevangeliums wissen wir: Auch Maria wurde die Geburt Jesu von einem Engel angekündigt. „Das Heilige, das geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden.“(Lk 1,35) Ein nie dagewesenes enges Band besteht zwischen Jesus und Gott. Jesus handelt nicht nur im Auftrag Gottes. In ihm spricht und handelt, begegnet und vergibt Gott, der Sohn, die zweite Person der Trinität selbst. Sein Wirken ist nicht wie die Regierungszeit eines Königs zeit- und ortsgebunden. Er ist seither jederzeit und von allen ansprechbar.

Ich komme zum Schluss

In diesem Jahr wurde der Weihnachtsbaum bei Familie Hövermann einen Tag früher als im vorigen Jahr am 22.12. geschmückt. Nur zur Sicherheit, falls etwas nicht funktionieren sollte…Es wird Ihnen nicht schwerfallen, unser diesjähriges Weihnachtsgeschenk zu erraten? Eine neue, feine Krippe. Die alte war in die Jahre gekommen, leicht zu übersehen. Wie sagte ich doch? An der Krippe wird Weihnachten sichtbar!

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Fest!

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