9) Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. 10)Denn wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht; und wer mit dem Munde bekennt, wird selig. 11)Denn die Schrift spricht „Wer an ihn glaubt wird nicht zuschanden werden.“ 12)Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. 13)Denn „wer den Namen des Herrn anruft, wird selig werden. (Röm 10,9-13)
Endlich Wahlsonntag! Am Ende stehen nicht mehr Umfragen, sondern Ergebnisse, nicht mehr Prognosen, wer mit wem was könnte, sondern Koalitionsverhandlungen, nicht mehr Zielvorstellungen, sondern die Kunst des Möglichen. Im Wahlkampf muss über die Zielvorstellungen gestritten werden. Vorwärts gebracht wird der Karren aber nur, wenn alle an einem Strang in dieselbe Richtung ziehen.
Ein Slogan im Berliner Wahlkampf
Für die Wahl zum Abgeordnetenhaus hatte eine der Parteien ihr Kürzel stadtweit in einem Muttertags-Herzen plaziert. Eigenartig samtpfötig. Passte nicht immer zu den Gesichtern der Kandidatinnen auf den Plakaten. Mass genommen hatte man dafür an der freundlichen Spitzenkandidatin mit Steckfrisur und Kostüm. Sie hatte Berlin zu ihrer Herzenssache erklärt und ihre Partei damit zur Herzblatt-Partei.
Die Herzenssache des Paulus
Auch Paulus hatte eine Herzenssache zum Ziel. Um ihretwillen ihr war er sein ganzes Leben lang unterwegs zu den Leuten im heutigen Syrien, der Türkei und in Griechenland. Auf dem Weg nach Damaskus, um dort Christen aufzustöbern, wurde er vom Licht des Himmels geblendet:“Saul, Saul warum verfolgst du mich?“ Erblindet stürzte er zu Boden. – Hananias war alarmiert, als er ausgerechnet diesen üblen Spürhund in seine Gemeinde holen sollte. Dort fiel es Paulus wie Schuppen von den Augen. „Das war Jesus und er hat mich beauftragt, das weiterzusagen.“ Seitdem zählte er sich selbstbewusst zu den Auferstehungszeugen: „zuletzt von allen ist er auch von mir…gesehen worden“(1. Kor 15,8). Zwei Jahre nach Kephas/Petrus – den Zwölf – den 500 Brüdern – Jakobus – allen weiteren Aposteln.
Die Juden hatten sich sein der Zeit Nehemias um 445 vor Christus geflissentlich von anderen Völkern abgeschottet, um den Gottesbund zu wahren und nicht wieder unter die Räder zu kommen. Ihren jungen Leuten verboten sie Mischehen mit Andersgläubigen. Die Speisegebote grenzten ihre Kontakte weiter ein. Paulus mutete ihnen zu: „Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen.“Zur Gemeinde Jesu Christi werden Juden und Nichtjuden gehören.
Die Griechen in der Metropole Thessaloniki forderte er nicht weniger heraus: Weg mit den Abgöttern – dient fortan dem lebendigen und wahren Gott! (1. Thess 1,9) All die Gottheiten Homers, die in prächigen Tempeln thronten, beräuchert, besungen und verehrt wurden – hohl, totes Holz. Lebendig erwiesen hat sich der Gott Jesus Christi, der ihn von den Toten auferweckte.
Herzenssache – auch für uns?
Wofür das Herz des Paulus brannte, ist heute selbstverständliches Bildungsgut. Zum Miteinander in einer multireligiösen Großstadt gehört das Wissen voneinander: Was glauben die Juden, die Christen, die Moslems, die Buddisten, die Atheisten? Aha, die Christen glauben an die Auferstehung Jesu Christi. Wer einen Gottesdienst besucht, findet im Glaubensbekenntnis „am dritten Tage auferstanden von den Toten“. Bei einer christlichen Trauerfeier wird auch davon gesprochen.
„Bildungsgut“: Alle wissen davon, wenige glauben es. – Bei der diesjährigen INSA Oster-Umfrage: „Glauben Sie, dass Jesus leibhaftig auferstanden ist?“ antworteten 23% der evangelischen Kirchenmitglieder mit „Ja“. Die anderen 77% können damit nichts anfangen. Dass Jesus auferstanden sein soll, ist für sie eine verschlossene Tür, zu der der Schlüssel abhanden gekommen ist.
Paulus sieht sich als Freudenbote (Röm 10,15). Er baut darauf, dass es für jede und jeden einen Schlüssel zu dieser Tür gibt. Er zeigt auf dich und mich: „„Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.“
„Jesus ist der Herr“
Bei dem Satz „Jesus ist der Herr“ wird heutiges Sprachempfinden sensibel. Ist nicht „Herr“ die Anrede für einen Mann, so wie „Frau“ die Anrede für eine Frau ist. Sollen wir mit dem Blick auf den Mann Jesus im Patriarchat gehalten werden? „Mehr nein als ja“, möchte ich zu bedenken geben. Die heutige Gleichberechtigung der Geschlechter (Ist sie schon erreicht?) gab es damals nicht, aber nicht jeder Mann war ein Herr und auch Frauen konnten Herrinnen sein.
Das Wort Herr wurde auch geschlechterübergreifend gebraucht. Herr-sein bezeichnete eine bestimmte Position in der Gesellschaft, die Zugehörigkeit zur Oberschicht. Am deutlichsten im Unterschied von Herr und Knecht im Arbeitsleben. Im alltäglichen Umgang sprach man bei uns früher von einem „feinen Herrn“ und einer „feinen Dame“ mit Personal und eigener Kutsche im Gegensatz zum „armen Schlucker“.
„Jesus ist der Herr“ signalisiert eine Rangerhöhung. Der höchste „Herr“ in der römischen Welt war der gottgleiche Kaiser, der höchste „Herr“ der Juden, war Gott, „der Herr“, wie er genannt wurde, weil man seinen Eigennamen nicht aussprechen durfte. Mit der Auferstehung beginnt ein neues Kapitel des Wirkens Jesu Christi. Er wird in das Leben Gottes aufgenommen und sitzt zur Rechten Gottes. Wie Gott, der Vater, ist er gegenwärtig und nahe. Wir können uns an ihn wenden, uns ihm anvertrauen. „Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“
Die Tiefenwirkung des Glaubens
Wie am sich fühlt, wenn man auf Rettung wartet, erlebten wir im Sommer in Dänemark. Im benachbarten Ferienhaus wohnte eine uns bekannte Familie mit drei Kindern. Eines Abends pochte die älteste Tochter ans Fenster und zeigte auf meine Frau: „Komm bitte mit rüber. Mama geht es ganz schlecht!“ Die junge Frau lag am Boden, blass, mit hochgelegten Beinen. „Bleib bei mir. Ich brauche Hilfe. Mir ist so schwindlig.“ Ihr Vater hatte den Krankenwagen angerufen und wartete im Dunkeln vor dem Haus.. Immer wieder blickte er auf seine Uhr…Wir waren in Jütland!
Seien sie froh, dass sie in Schöneberg wohnen. An allen Ecken das Tatütata der Krankenwagen mit Stroke-Unit. Zum St.-Gertrauden-Krankenhaus ist es ein Katzensprung. In Jütland startet der Krankenwagen in der nächsten Kreisstadt und kommt über die Landstraße. Am Ziel – in einer weitläufigen Ferienhaussiedlung mit schmalen Kieswegen nachts nicht lesbaren Hausnummern – nützen Blaulicht und Sirene nichts. Es zieht sich und zieht sich. Eine dreiviertel Stunde brauchte es, bis er ankam. Die Erstversorgung begann. Aufatmen. Nach einem Tag im Krankenhaus erholte sich die junge Frau und verlebte noch einen wohltuenden Urlaub.
Menschen in Not wandten sich an Jesus: „Herr, erbarme dich meiner!“ und er stellte sie wieder auf die Füße. Was Jesus damals tat, tut er auch heute auf verschiedene Weise. Dass man sich in seiner Not an ihn wenden kann, ist der Lebensnerv der christlichen Religion. Darauf beruht die Tiefenwirkung des Glaubens. „Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und glaubst in deinem Herzen, dass Gott ihn von von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.“ Wen Jesus selig preist, der wird getröstet, wird satt, wird Gott schauen, wird Gottes Kind heißen. Er wird befreit von Ängsten, Tod, Dunkelheit und Depression. Die Fesseln, die ihn gefangen halten, werden abgeschüttelt. Die Seelsorge Jesu untermauert alle Hilfe, die wir einander leisten können.
„Wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht,“ so der Gundsatz des Paulus über das Von-Gott-als-gerecht-anderkannt-Werden. Auch dabei geht es um die Seelsorge Jesu. Jesus berschreibt einmal zwei Menschen, die im Tempel beten, einen Pharisäer und einen Zöllner. Der Pharisäer dankt Gott und schildert sein perfektes Leben. Der Zöllner weiß, dass er nicht perfekt und seine Arbeit anrüchig ist. Das belastet ihn „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ ist alles, was er in diesem Moment herausbekommt. Die Pointe: „Er ging gerechfertigt in sein Haus, nicht jener.“ Er, der schlicht um Erbarmen gerufen hatte, wurde von Jesus auf seine Füße gestellt. Auch eine Weise wie er rettet.
Ich komme zum Schluss
- Den auferstandenen Christus allen Menschen als „Herrn“ und Retter bekannt zu machen, war die Herzenssache des Paulus.
- Die Auferstehung Jesu Christi möchte für uns vom Bildungsgut zu Herzenssache werden.
- „Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.“
- Wo dies geschieht, spüren wir auf verschiedene Weise die Seelsorge Jesu . Auch darin, dass er die Hilfe untermauert, die wir einander leisten. „Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden.“
So wollen wir zuversichtlich in die neue Woche gehen, die Wahlergebnisse abwarten und dafür beten, dass sie für unsere Stadt und unser Land zum Segen werden.
Fürbitten am Wahlsonntag
- Allmächtiger Gott, Barmherziger Vater!
- Wir danken dir dafür, dass wir in einer Demokratie leben und für die Frauen und Männer, die sich heute zur Wahl stellen,
- Wir bitten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Wahllokalen, die die Abstimmung begleiten und die Stimmen auszählen.
- Wir klagen über Hetze und Häme im Internet, in den Netzwerken und in den Medien.
- Schenke uns eine tatkräftige Bundesregierung, die sich unserem Land, der Europäischen Union und dem Weltklima verpflichtet weiß.
- Schenke uns in Berlin einen Senat, der sich am Gemeinwohl orientiert und die notwendigen Maßnahmen ergreift.

