Der Apfel und die Danksagung

Alles, was Gott geschaffen hat,ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und das Gebet. (1. Tim 4,4)

An apple a day keeps the doctor away. Ich bin ein Apfel-Fan. Wenn ich spazieren gehe, habe ich immer einen dabei. Süß, saftig und gesund. Deshalb fiel mir folgende Schlagzeile auf:

„Regen vermiest den Bauern die Ernte.“

Trübe Stimmung in den Obsthöfen. Die Ernte ist mau ausgefallen. 734.000 Tonnen Äpfel wurden eingefahren. Das klingt mächtig. Ist aber so klein, wie seit sieben Jahren nicht mehr. Auch bei Kirschen, Birnen und Zwetschgen ist es nicht besser. Schmale Ernte – das bedeutet geringe Einnahmen, weniger Geld in der Kasse. Wenn das Erntedankfest im Kalender steht, was gibt es da für die Obstbauern zu feiern?

Unser Erntedankfest geht auf die Bibel zurück. Seit alters her wurden Körbe mit Früchten zum Altar gebracht, um Gott zu danken. Es läuft so ab wie bei uns. Mit einer Ausnahme: Um welche Früchte handelte es sich? Dazu gab Mose einst vor dem Einzug ins gelobte Land eine sprezielle Anweisung:

Nimm dort von den allerersten Früchten…Leg sie in einen Korb!…Geh zu dem Piester. In seiner Gegenwart sollst du sagen: „Hier bringe nun die ersten Früchte des Landes, das du HERR mir gegeben hast.“ Danach stelle den Korb an den Altar vor den HERRN, deinen Gott, und verbeuge dich tief vor ihm! Freu dich über das Gute, das der HERR, dein Gott, dir schenkt. (aus 5. Mose 26,1-10)

Dargebracht werden sollen die Erstlinge, die erste Garbe Gerste, die ersten Trauben, die ersten Oliven uns so weiter. Zwei Erntefeste sind dafür vorgesehen, eins für die Gerstenernte, Schawouth, in diesem Jahr vom 12.-13. Juni) und eins für die Weinlese, das Laubhüttenfest, Sukkot vom 17.-23. Oktober.

Mit den Erstlingen wird dafür gedankt,

  • dass unsere Erde nicht nur aus Wüsten und Gebirgen besteht, dass auf ihr Korn, Wein und Öl wächst,
  • dass der Apfelbaum – im Winter ein kahles Holz – erst Grün, dann Blüten, dann Knospen und schließlich Früchte hervorbringt,
  • dass es eine Dynamik des Lebens auf unserem Planeten gibt, die sich immer wieder erneuert.

Die Höhe der Erträge und die betriebswirtrschaftliche Buchführung stehen nicht im Focus. Auch bei einer mauen Ernte gibt es Grund zum Dank für das Wunder der Vegetation.

Übrigens

Der Apfel, den ich hier in der Hand habe, ist ein Kunstwerk: vorne rote Bäckchen hinten grün, makelloses Aussehen, saftig, nicht zu süß, nicht zu sauer im Geschmack. In diesem Apfel steckt mehr Arbeit als in einer Sachertrorte. Sein perfektes Design ist das Ergebnis von Züchtung und Obacht. Der Apfelbaum ist längst Teil der modernen Intensiv-Landwirtschaft. Zur Qualitätssicherung wird er bis zu 30 mal gespritzt gegen Pilzbefall, Schorf und Mehltau. Den Schaden davon haben die Inseketen. Sie sterben aus. Ohne Bestäubung durch Insekten – keine Ernte!

Wenden wir uns nun dem heutigen Predigttext zu. Paulus schreibt an Timotheus, seinen Freund und Stellvertreter in der christlichenGemeinde in Ephesus (heute Efes, 70km südlich von Selcuk an der türkischen Westküste gelegen):

„Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut.“

Ein befreundetes Ehepaar verbrachte seinen Urlaub im Ferienhaus in Dänemark zusammen mit Enkel und Oma. Als wir sie besuchten, war dicke Luft. Der Enkel (14) war ein junger Muslim und ging mit seinem Vater in die Moschee. Die Oma hoch in den 80ern kapierte das nicht mehr. Bei Tisch gab sie keine Ruhe: „Möchtest du etwas Leberwurst?“ „Hier ein feines Stück Schinken.“ „Ich habe heute gefüllte Tomaten mit Fleischsalat vorgereitet.“ Über jedes Kopfschütteln war sie beleidigt. Das waren doch gute Lebensmittel, die sie ihr Leben lang gegessen hat. Warum blockt der Junge nur? Oma versteht das nicht!

Wenn mann googelt: „Darf ein Muslim bei Lidl Fleisch kaufen?“, ist die Antwort klar: „Nein!“ Drei Dinge sind zu berücksichtigen:

  • Das Tier muß erlaubt sein. Also kein Schwein und nichts mit Gelatine z. B. Gummmibärchen. Für das übrige Fleisch gilt:
  • Wer hat es geschlachtet? In Fragen kommen ein Muslim, ein Jude oder ein Christ – keineswegs ein Konfessionsloser.
  • Wie wurde es geschlachtet? Es muss rituell vonstattengehen in Form der Schächtung. Dafür gibt es zertifizierte Betriebe. Das Fleisch erhält dann das Siegel „Halal“.

Wenn Lidl eine Halal-Fleischtheke hat, können die Muslima oder Muslim dort einlaufen. Das Schulessen ist darauf bereits eingerichtet. 20% der Schulkinder sind Muslime Wir respektieren in unserem Land ihren Glauben.

Damals in Ephesus ging es um einen Konflikt. Eindringlinge wollten die christliche Gemeinde umpolen und einen neuen Lebensstil einführen ohne die Ehe und mit Speisevorschriften. Paulus stärkt Timotheus den Rücken, hier hart zu bleiben: „Alles, was Gott geschafften hat, ist gut.“ Er konnte sich dazu auf Jesus berufen, der alle Speisen für rein erklärt hatte:

Es gibt nichts, was von außen in den Menschen hineingeht, das ihn unrein machen könnte; sondern was aus dem Menschen herauskommt, das ist’s, was den Menschen unrein macht.“ (Mk 7,14)

Er fügt hinzu: „Was von außen in den Menschen hereinkommt, kommt nicht in sein Herz, sondern in seinen Magen und wird von dort wieder ausgeschieden. Was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein, denn es kommt aus seinem Herzen.“ Die Nahrungsmittel sind Gäste, sie durchqueren den Menschen. Was aus dem Herzen kommt, gehört zu dem Menschen, ist Teil seines Charakters. Jesus benennt 11 wunde Punkte, die in der Menschheitsgeschichte viel Schaden und Leid angerichtet haben. Er erweist sich als ein genauer Beobachter: sexuelles Fehlverhalten, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Betrug, Zügellosigkeit, Neid, Verleumdung und Überheblichkeit. Solches Verhalten zerrüttet die Gemeinschaft und trennt von Gott. Speisefragen sind für uns Christen nebensächlich, die Danksagung über den Speisen keinesfalls!

„Nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.“

Als Jesus mit seinen Jüngern das Heilige Abendmahl feierte, sprach er zuerst die im Judentum üblichen Dankgebete über Brot und Wein. Die christliche Gemeinde schloss sich dem an. Justin, der Märtyerer, (gest. 165) schreibt:

Bei allem, was wir zu uns nehmen, preisen wir den Schöpfer des Alls durch seinen Sohn Jesus Christus und durch den Heiligen Geist.

Heute am Erntedankfest beten wir: „Alle guten Gaben alles, was wir haben, kommt o Gott von dir. Wir danken dir dafür. Im Alltag ist diese Danksagung chancenlos. Leider. Wie läuft es denn bei Tisch ab?

  • Entweder: Die Kinder futtern los, wenn das Essen da ist. – Niemand bremst: „Moment mal, wir wollen erst danken.“
  • Oder: Koch oder Köchin rufen aus der Küche: „Fangt doch schon einmal an, bevor es kalt wird.“ – Wer soll da Einhalt gebieten: „Moment mal, laßt uns erst danken“?
  • Oder: „Das sieht aber lecker aus.“ Das Essen wird gelobt. Damit beginnt das Tischgespräch. Der Zug ist abgefahren. Die Danksagung verpaßt.

Wenn ein Kind im christlichen Kindergarten ein Tischgebet gelernt hat, möchte es das auch zu Hause sprechen. Oft macht die Familie mit. Aber nur, solange das Kind den Kindergarten besucht. Keinen Tag länger. – Wir sehen den Wald vor Bäumen nicht mehr. Was wir kochen, bruzzeln, braten sind Lebensmittel, die die jedes Jahr wieder neu hervorbringt. Wie es in der Bibel heißt:

Die Erde soll frisches Grün sprießen lassen und Pflanzen, die Samen tragen! Sie soll auch Bäume hervorbringen mit eigenen Früchten und Samen darin! (1. Mose 1,11)

Grund genug um dafür und für die Tierwelt Gott, dem Schöpfer, zu danken!

„Wenn Gott lebt, dann schert er sich nicht um uns,“ als ich neulich eine Aufzeichnung des Freischütz im Fersehen sah, sprang mich diese Arie des Kaspar an. Was für schlimme Worte. Gott mag es geben. Aber er ist irgendwo und nirgends. Weit weg von mir. Der Glaube an ihn kann austrocknen wie ein Flußbett, das kein Wasser mehr führt.

Die Danksagung bei Tisch ist dazu das Kontrastprogramm. Gott lebt und schert sich um uns! Er schenkt und allen „das Leben, den Atem und alles andere“. (Apg 17,25) Gottes Hand ist bei jeder Mahlzeit mit zugange:

Es wartet alles auf dich, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt. (P 104,27f.)

Ich komme zum Schluss:

  • Wir danken heute für die Fruchtbarkeit der Erde – auch wenn die Apfelernte mau war.
  • Der Designer-Apfel darf nicht mehr auf Kosten der Insekten produziert werden.
  • Jesus kommte es auf die Nähe zu Gott im Herzen an, Speiseregeln hält er für überflüssig.
  • Wenn wir bei Tisch danken, spüren wir, wie Gott für uns sorgt.
  • Das eint uns mit Juden und Muslimen.

Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt o Gott von dir. Wir danken dir dafür!