Jesus klopft an: Wie reagieren wir?

14) Dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt, der Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: 15) Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach dass du kalt oder warm wärest! 16) Weil du aber lau bist weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. 17) Du sprichst: Ich bin reich und habe mehr als genug und brauche nichts!, und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß. 18) Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest. 19) Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße!

20) Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. 21) Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron. 22) Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (Offb 3,14-22)

Doppelt gemoppelt?

In der Liturgie unserer Kirche wird ein und dieselbe Begebenheit aus dem Leben Jesu zweimal an zentraler Stelle als Evangelium des Sonntags wiedergegeben. Das ist unüblich. Bibelstellen gibt es ja genug. Gleichwohl wird der Einzug Jesu in Jerusalem nicht nur am Palmsonntag sondern auch heute am ersten Sonntag im Advent vorgetragen. Ist das nicht doppelt gemoppelt? Nehmen wir eben das mal unter die Lupe:

Die Ankunft in Jerusalem brachte Jesus in Schwierigkeiten. Der Eingangsjubel war ergreifend. Die Palmenzweige! Die ausgebreiteten Gewänder auf der Straße! Aber er hatte keinen Bestand. Die Widersacher fühlten sich herausgefordert, bedroht, befürchteten Schlimmstes. Innerhalb weniger Tage schafften sie es, ihn ans Kreuz zu bringen. Sobald sie seine Anweseheit registriert hatten, tickte die Uhr. Am Ende der Karwoche fand sich eine winzige Ostergemeinde zusammen.

Heute klingt alles heller:

Jesus zieht jetzt in unsere Stadt ein. Die Adventszeit beginnt. Berlin grüßt ihn mit Weihnachtsbäumen: Auf dem Platz vor unserem Haus schmückte am Freitag eine Schulklasse den prächtigen Lichterbaum. Überall in der Stadt: Lichterketten und Herrenhuter Sterne. Die Uhr tickt. Adventskränze und Adventskalender sind auf den Heiligen Abend eingestellt, das Fest aller Feste in unserem Land.

Die Dopplung passt schon, sie setzt einen neuen Akzent: Die Adventszeit ist das frohgemute Gegenbild zur Karwoche. Hören wir die Boschaft Jesu für heute aus der Offenbarung des Johannes!

So spricht der gegenwärtige Christus

Zuerst wendet er sich an die Kirche als Institution: „Du weißt nicht, dass du arm blind und nackt bist.“ – Können wir uns das anziehen? Und dann sehr persönlich an jeden von uns: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.“ – Wie gehen wir damit um?

„Du weißt nicht, das du arm , blind und nackt bist.“

Auf der Kreissynode

Wenn der Suprintendent auf der Kreissynode Schöneberg seinen Jahresbericht vortrug, pflegte er, auf jede Gemeinde einzugehen und vermerkte Vorhaben, Erfolge und Probleme. Ebenso der gegenwärtige Christus. Vor der Kreissynode in Ephesus, beim heutigen Selcuk an der Südwestküste der Türkei gelegen, äußerte er sich zur Lage der sieben Kirchengemeinden in den Städten Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und eben Laodizea unser Predigttext heute.

Sein Urteil über Laodizea ist vernichtend. Aufgut Deutsch: „Ihr seid zum Kotzen!“ Wie soll man das sonst verstehen: „Ausspeien“? „Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.“ Pfui, lauwarmes Wasser, das törnt ab!

Die Ruinen von Laodizea wurden in die Vorschlagsliste für das Weltkulturerbe aufgenommen. Eine Reihe 11m hoher, je 15t schwerer Säulen erinnert an die einst blühende, junge Stadt. Die zweitgröße nach Ephesus. Kolonisiert von König Antiochus II. von Syrien (261-246) mit dem Beinamen „Theos“ (Gott) und benannt nach seiner Frau Laodike, mit der er ein bewegtes Eheleben führte. Cicero kam dort vorbei und löste auf einer Bank einen Wechsel ein. Jesus spielt auf die Aktivposten der Kommune. Er erwähnt „Gold“ für ihr Bankwesen, „Kleider“ für die Textilmanufaktur und „Augensalbe“ für ihre Medizinprodukte .

Die örtliche Kirchengemeinde fühlte sich pudelwohl. Sie hatte am Wohlstand teil und wurde nicht verfolgt, wie die Christen anderswo im römischen Reich. Wenn sie in den Spiegel schaute, erfreute sie ihr Anblick. „Ich bin reich und habe mehr als genug und brauche nichts!“

„Ihr irrt!“, hält Jesus dagegen: „Du, Gemeinde in der Stadt der Augensalbe, bist betriebsblind. Ihr materiell reichen Christen seid tatsächlich arm. Ihr modebewussten Leute lauft geistlich nackt herum. Wo sind eure weißen Taufkleider?“

Ein Storyteller?

Wie gehen wir mit dieser harschen Anklage um? Was ist meine Rolle dabei? Bin ich Erzähler biblischer „Geschichten“ auf Neudeutsch ein storyteller? Dann könnte ich entspannt plaudern: Zum Beispiel davon, dass Jesus ja sieben Gemeinden erwähnt und dass wir hier vielleicht gar nicht gemeint sind. – Oder bin ich ein Sprachrohr für Jesus. Dann gehöre ich auf seine Seite und habe das ernst zu nehmen, worauf er heute hinweist, auch wenn es um das eigene Nest geht. Mithin: Wo entpuppt sich unsere Kirche als betriebsblind? Wo ist sie werder warm noch kalt?

Müssen wir jetzt beten?

Unter diesem Titel stand ein Bericht über eine Kita in Sachsen-Anhalt mit 12 Mitarbeiterinnen, die von der Diakonie übernommen worden war. Die acht konfessionslosen Erzieherinnen waren mit dem Trägerwechsel einverstanden gewesen unter der Voraussetzung, dass sie nicht zu religiösen Handlungen gedrängt würden. Die vier Evangelischen waren enttäuscht, weil sich ein diakoniegemäßes, christlich-religiöses Klima in dieser Konstellation nicht ins Leben rufen ließ. Der gemeinsame Nenner zwischen warm und kalt war – lauwarm!

Kirche für andere

„Kirche für andere“ zu sein, ist der Reichtum unserer Kirche. Nicht bei der Gottesdienstgemeinde zu verharren, sondern von hier aus mit weitem Radius aktiv zur Bildung, zur Gesundheit und zu Unterstützung und Hilfe im In- und Ausland beizutragen. Dafür ist sie beliebt. Die Kirchen und ihre Einrichtungen sind der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland.

Allerdings:

  • In den neuen Bundesländern sind 50% der Mitarbeiter (m, w, d) in der Diakonie konfessionslos.
  • In den alten Bundesländern war bis 2017 bei Einstllungen gemäß der „AcK-Klausel“ (nach der Arbeitsgemeindschaft christlicher Kirchen genannt) die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche erforderlich. Seitdem explodierten die Ausnahmen; konfessionslos können sein und bleiben männliche, weibliche oder diverse: Geschäftsführer, Referenten, Kita- und Schulleiterinnen, Erzieherinnen, Altenpflegerinnen, Ärztinnen, Assistentinnen in der Verwaltung. Die Liste ist damit nicht abgeschlossen. (In der Politik gibt es Bestrebungen, dies rechtlich so festzuklopfen, dass von den Genannten keiner nach seiner Konfession gefragt werden darf. Weil das für die konfessionslosen Bewerber m, w, d ein Nachteil ist.) Allein für den Verkündigungsdienst und hervorgehobene Leitungspositionen ist die Kirchenmitgliedschaft obligatorisch.

„Was sollen wir machen? Die Arbeit muss doch getan werden. Die Gesellschaft hat sich verändert. Der Arbeitsmarkt gibt nicht mehr her.“ Jeder einzelne Schritt ist verständlich. Auf dem ganzen Weg verliert das Gold an Wert und das Wasser seinen frischen Geschmack. „Du weißt nicht, dass du arm, blind und nackt bist.“ – Wenn einmal in der Woche eine Pfarrerin in der erwähnten Kita eine Andacht hält, bügelt sie damit nichts aus. – Und von der konfessionslosen Altenpflegerin kann man nicht erwarten, mit den alten Menschen zu beten. Mit Augensalbe erkennt man: „Kirche für andere“ funktioniert nicht lediglich mit Amtsträgern (m, w, d), sondern ist Sache aller Getauften. Deshalb spielt Jesus auf die weißen Taufkleider an.

„Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an.“

Am Bußtag 1963, ein halbes Jahr nach meiner Konfirmation, ging ich mit dunklem Schlips in die Kreuzkirche in Schmargendorf am Hohenzollerndamm. Dort hörte ich eine Predigt über Laodizea: Während der eindringlichen Worte des Pfarrers zu: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.“, klopfte Jesus bei mir an. Ich wollte ihm auftun. Aber wie? Schließlich verfiel ich auf einen Bibelleseplan für Schüler. Für jeden Tag einen Abschnitt und ein Gebet.

Wir werden heute wieder singen: „Komm, o mein Heiland Jesus Christ, meins Herzens Tür dir offen ist.“ Ich spüre dabei, wenn Jesus zu mir kommt, führt das über mein Lesen und Nachdenken hinaus. Eine enge, intime Verbundenheit ist gemeint. Weite mein Herz, dass es dich aufnehmen kann! Konkret: Ich wünsche mir, dass Jesus zu meinem inneren Team gehört.

Jeder Mensch hat ein inneres Team…

Kennen Sie das Kinderlied vom Apfel?

In einem kleinen Apfel da sieht es lustig aus.
Es sind darin fünf Stübchen gerade wie in einem Haus.
In jedem Stübchen wohnen zwei Kernchen schwarz und fein,
die liegen drin und träumen vom lieben Sonnenschein.

Im Kerngehäuse des Apfels stehen 10 Plätze zur Verfügung. Ein anschauliches Bild für unser Herz. Modern verstanden ist unser Innenleben mehrstimmig. Aus jedem Stübchen ruft jemand etwas heraus. Ausgehend vom inneren Zwiesepalt. „Ich kann mich nicht entscheiden.“ „Ich stehe zwischen Baum und Borke.“ kam man auf das „innere Team“ (Friedemann Schulz von Thun).

Wir alle haben mindestens vier Stimmen in der Brust. Wenn es um eine kostspielige Anschaffung oder eine größere Einladung geht, rät Stimme eins: „Darauf zugehen!“ Stimme zwei sorgt für Abstand: „Lass besser die Finger davon!“ – Bei der diesjährigen Weihnachtsfeier oder der nächsten Urlaubsreise will Stimme drei in der Spur bleiben: „So, wie wir es immer gemacht haben, ist es schön.“ Stimme vier ist aufgeschlosssen: „Lass probieren!“

… in das neue Mitglieder aufgenommen werden können

Wer sonst noch dabei ist und wieviel Gewicht seine Stimme hat, hängt von der Lebenserfahrung eines jeden ab. Auch neue Mitarbeiter können aufgenommen werden, auch solche, die von Hause aus fremd sind. Aus diesem Grund kam ich auf Jesus. „Jesus meine Herzenstür zu öffnen“, bedeutet: Ich nehme ihn in mein inneres Team auf. Er gehört auf diese Weise zu meiner Person, bezieht einen der 10 Plätze in meinem Kerngehäuse. Er leistet mir stillen Beistand und bringt sich aber auch in mein inneres Stimmengewirr ein. Sein Geschäftsbereich ist es: Den Glauben zu mehren, die Hoffnung zu stärken und die Liebe zu entzünden.

Ich komme zum Schluss

In der Vorweihnachtszeit mit dem Glanz der Weihnachtsbäume, der Lichterketten und leuchtenden Sterne auf den schon nachmittages dunklen Straßen meldet sich eine Sehnsucht nach mehr. Wir spüren, dass unsere alltäglichen Geschäfte, Pflichten und Pläne nicht alles sind. Wir möchten von einer anderen Dimension berührt werden. Anselm Grün betet mit uns:

„Daheim sein können wir nur dort, wo das Geheimnis wohnt. Wenn du bei uns und unter uns wohnst, können wir es bei uns aushalten, weil du selbst das unendliche und unaussprechliche Geheimnis, unser Haus zum Heim formst, in dem wir gern sind.

  • Entdecken wir in der Adventszeit das Gegenbild zu Karwoche. Lassen wir uns von der gespannten Freude der Kinder anstecken. Singen wir mit ihnen am Adventskranz.
  • „Kirche für andere“ geht nicht nur mit Amtsträgern (m, w, d), sondern ist Sache aller Getauften.
  • In unserem Herzen ist Platz für Jesus. Mit ihm im Team wird unser Haus zu einem Heim, in dem wir gerne sind.

Entdecke mehr von Licht für die Welt

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen