15) Da aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes! 16) Jesus aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. 17) Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit! 18) Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19) Und ein anderer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20) Wieder ein anderer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen.
21) Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherrr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein. 22) Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23) Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. 24) Denn ich sage euch: Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken. (Lk 14,16-25)
Im Evangelium des heutigen Sonntags geht es um „Entschuldigungen“, die in Wirklichkeit Ausreden sind. Ein Anstoß, dem nachzugehen: Welche Rolle spielen Ausreden in unserem Leben?
Warum brauchen wir Ausreden?
Die Fähigkeit, Ausreden zu erfinden, wird schon mit der Muttermilch weitergegeben. und macht sich bereits im Klassenzimmer bemerkbar. Nichts ist so absehbar, wie der Wunsch der Lehrerin: „Nehmt bitte die Hausarbeiten vor.“ Trotzdem kommt er immer wieder überraschend und ungelegen. Die häufigste Antwort ist immer noch: „Ich habe meinen Hefter vergessen.“ So bleibt in der Schwebe, ob die Hausaufgaben erledigt wurden oder nicht. Und das kann eine zweite Chance eröffnen: „Also gut, zeig ihn mir in der nächsten Stunde.“
Im Schock stammelten Schulkinder die abenteuerlichsten Dinge. Ein Spaßvogel sammelte:
- „Ich habe mein Heft nicht mit. Meine kleine Schwester hat es zerkaut.“
- „Ich habe mein Heft nicht mit. Unser Hund hat sein Geschäft darauf gemacht.“
- „Ich habe mein Heft nicht mit. Unsere Heizung ist ausgefallen, da mussten wir alles Mögliche verbrennen, um nicht zu erfrieren.“ (Wer hat heute noch einen Allesbrenner in seiner Wohnung?)
- „Ich habe meine Aufgaben gemacht – ich schwöre es -, aber ich habe mein Heft am Bett meiner kranken Mutter liegenlassen, die ich die ganze Nacht gepflegt habe.“
„Ich hatte keine Lust und war lieber skaten.“ oder: „Mathe hasse ich.“, wäre ehrlicher gewesen. Aber das bringt Ärger ein. Seit es Menschen gibt, gilt:
„Wer etwas will, findet Wege; wer etwas nicht will, findet Ausreden.“
Sie werden als „soziales Schmiermittel“ eingesetzt, um zu verhindern, dass es im Getriebe knirscht. Sie sollen Antriebsschwäche und Irrtümer verschleiern und helfen, den guten Eindruck zu wahren.
Wie Ausreden funktionieren sollen
An den Ausreden in der Bibel kann man erkennen, welches Kalkül jeweils dahinter steht.
Nehmen wir die Ausrede Adams im Garten Eden. Als Gott ihn zur Rede stell: „Hast du von dem verbotenen Baum gegessen?“, verlegt er sich aufs Abstreiten. Weit weist er von sich weg auf Eva hin, seine Frau. „Ich kann doch nichts dafür. Sie war es, sie reichte mir die Frucht. Die Frau, die du mir gegeben hast.“ Adam präsentiert sich als Opfer, ist er doch der Beeinflussung seiner Frau erlegen. So wälzt man seine Verantwortung ab – durch Abstreiten.
Kain hat seinen Bruder Abel erschlagen. Als Gott ihn fragt: „Wo ist dein Bruder Abel?“ versucht er es herunterzuspielen. Abzustreiten gibt es nichts. Abel ist verschwunden, weil er tot ist. Kain stellt sich dumm: „Ich weiß es nicht“, antwortet er, „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ Er schützt Unwissenheit vor. Was ist schon dabei, wenn er nicht weiß, wo sein Bruder gerade steckt? Abel ist ein erwachsener Mann und Kain nicht sein Kindermädchen. Ganz schön raffiniert.
Saul, der erste König Israels, ist eine traurige Gestalt. Als seine Kämpfer nach einem siegreichen Feldzug gegen die Amalekiter groß Beute machten, drückte er beide Augen zu und ließ sie die für Gott bestimmten Schafe und Rinder gleich mit einkassieren. Den Vorwurf: „Warum hast du dich an die Beute gemacht?“, versuchte er kleinzureden mit einem staatsmännischen Ja…aber: Ja, ich gebe zu, ich habe die Tiere den Soldaten überlassen, aber für einen guten Zweck. Um sie Gott zu opfern.
Die wohlgesetzen Worte verpuffen. „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, aber Gott sieht das Herz an.“ (1.Sam 16,17) Er erkennt die wahren Absichten und reagiert auf sie. Adam muss hinfort im Schweiße seines Angesichts sein Brot essen. Kain erhält das Kainsmal und Saul den Tadel: „Gehorsam ist besser als Opfer.“(1. Sam,15,22) Bald wird er er seinen Thron verlieren.
Drei folgenreiche Ausreden
Jesus erzählt im Evangelium des heutigen Sonntags von Leuten, die von einem Boten an einen festlich gedeckten Tisch gebeten werden. „Kommt, denn es ist schon bereit!“ Dem damaligen Brauch entsprechend, war die Einladung etwa 14 Tage vorher ergangen. Das fröhliche Festmahl ist ein Bild für die umfassende Gemeinschaft mit Gott. Ihm so nahe zu sein, ist unverdientes Glück: „Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes.“ (Lk 14,15) Was aber, wenn die Eingeladenen das nicht zu schätzen wissen?
Alle möchten sie den guten Eindruck wahren und bitten höflichst darum, sie zu entschuldigen. Nicht ahnend, was Gott schon von Adam, Kain, Saul und anderen zu hören bekam…
Der Erste, der abgeholt wird, hat plötzlich ein Terminproblem in seinem Kalender entdeckt. Just in dieser Stunde ist er zur Besichtigung eines neuen Ackers verabredet. Welch eine Überraschung! „Man kann einen Acker doch nicht unbesehen kaufen! Das wird Ihr Herr verstehen. Bitte entschuldigen Sie mich.“ Vielleicht denkt er: „ Kommst du heut‘ nicht, kommst du morgen. So ein Essen läuft mir nicht davon. Vielleicht bin ich nächstes Mal dabei.“
Fünf Ochsengespanne sind erheblich mehr wert als ein Acker und machen auch mehr Arbeit. In der Hand eines cleveren Unternehmers können sie zum Kapital werden, das Umsatz und Profit verheißt, wenn sie rund um die Uhr vermietet werden. Der zweite Eingeladene lässt sich von seinem Alltag überwältigen.“ Ich kann mir keine Auszeit gönnen. Alles muss rund laufen.“
Und der Dritte? Fast grob fährt er den Diener an: „Darum kann ich nicht kommen!“ – Er hat geheiratet. Die Liebe ist eine schöne Sache, vielleicht die schönste Sache der Welt! Aber sie erfordert doch kein permanentes Zusammensein.
Die Reaktion des Gastgebers zeigt, was er von den Entschuldigungen hält. Er schickt seine Boten erneut aus. Zu den Armen, Behinderten, Blinden und Lahmen in der Stadt und in der näheren Umgebung. Sie freuen sich und kommen gern. Ohne Sperenzchen. „Von den ursprünglich Eingeladenen wird keiner von meinem Mahl essen.“ Selbst wenn einer es sich noch anders überlegen und nachkommen sollte: Sein Platz ist vergeben.
Ich komme zum Schluss
Die Eingeladenen begriffen nicht, worum es geht. Ihr Alltag war ihnen wichtiger als ein Fest. Irgendein Fest!? Woher sollten sie wissen, dass es das Fest aller Feste war. Dass es um den Platz im Reich Gottes geht. Jesus erzählt davon, damit wir den entscheidenden Moment in unserem Leben nicht verpassen:
Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. (Offb 3,20)

