Gott als Sandkünstler: Der Mensch aus Erde

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. 5)Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. 7)Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

8)Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. 9)Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.

15)Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. 16)Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, 17)aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.

18)Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. 19)Und Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen. 20)Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber für den Menschen wurde keine Hilfe gefunden, die ihm entsprach.

21)Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. 22)Und Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. 23)Da sprach der Mensch: Die ist nun Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist. 24)Darum wird ein Mann einen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein e i n Fleisch. ´´ (1. Mose 2,4b-9.15-24)

Ein Sandkünstler

Wenn man am Ostseestrand entlangspaziert, bemerkt man, was alles mit Sand passiert. Natürlich wird er geworfen, wenn die Eltern nicht aufpassen. Emsig wird geschaufelt: schmale und breite Kanäle, Staudämme, Burgen. Der feuchte kräftige Sand wird geformt zu Muscheln, Seesternen und kleinen Figuren.

In Binz auf Rügen wird jedes Jahr ein Strandskulpturenfestival abgehalten. 50 Sandkünstler stellen in Zelten ihre Arbeiten aus. In diesem Jahr waren es Szenen aus der Bibel.

„Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde.“ – Gott hantiert als Sandkünstler. Er nimmt ein Stück feste Erde als Werkstoff und modelliert daraus sorgfältig einen Körper. Erst den Umriss und die Proportionen. Dann immer feinere Gliedmaßen. Dem fertigen Werk bläst er seinen Atem ein. ‚Erfüllt von Gott‘, beginnt das Gebilde zu atmen, sich zu regen. Aus „Adamah“ (hebr: Erde) wird „Adam“, der Mensch, das Wesen aus Erde.

Dadurch wird demonstriert, was Gott am Menschen liegt. „Gott hat mich gewollt, ich bin von ihm persönlich modelliert worden als sein Geschöpf!“ Wie kostbar ist jeder einzelne Mensch. Wir spüren das ganz tief. Leid, Hunger und Not lassen uns erstarren. „Wie können Menschen sich das antun? Wie können sie das zulassen?“; schießt uns bei den schlimmen Bildern der täglichen Nachrichen durch den Kopf. Wer schützt? Wer hilft?

Die biblische Erzählung von Gott, dem Sandkünstler, konkurriert nicht mit der Präsentation der biologischen Entwicklung der Gattung Mensch. Das Universum der Naturwissenschaften ist stumm. Die Bibel spricht uns darauf an, als was wir geschaffen sind, welchen Wert unser Leben hat und dass alle Menschen gleich und mit ihm verbunden sind. Sie enthält Orientierungswissen.

Soweit Gottes erster Entwurf. In den späteren Kapiteln wird erzählt, wie dieser Entwurf beschädigt wird, insbesondere durch Kains Mord an seinem Bruder Abel.

Ein üppiger Garten

…mit frischen grünen Pflanzen und duftendem Obst ist im heißen, kargen Israel das Nonplusultra. Wie die Oase in der Wüste. Einen solchen paradiesischen Garten übergibt Gott dem Menschen. Nicht als bequemes Schlaraffenland, sondern als Arbeitsplatz mit der Anweisung, ihn zu bebauen und bewahren.

Ich denke dabei an unseren blauen Planeten. So sehen die Astronauten die Erde. Wenn sie aus der Raumstation hinabschauen, fällt das weite Blau der Ozeane auf. Es ist typisch für die einzigartige, lebensfreundliche Atmosphäre bei uns auf der Welt. Sie ist uns anvertraut. und muss bewahrt und beschützt werden.

Auch hier wurde Gottes erster Entwurf beschädigt. Das Verhältnis von Mensch und Natur ist mittlerweise umgeschlagen: Zur Zeit der Bibel war die Natur unerschöpflich und die Menschheit überschaubar, heute ist die Natur erschöpft und die Menschheit mit 7,71 Milliarden zunehmend unüberschaubar. Das Ökosystem taumelt: Wälder brennen in Kalifornien, Brasilien und Sibirien; bei uns trocknen sie aus. Das Eis am Nordpol ist im Sommer so dünn wie nie, die Wirbelstürme schwellen immer stärker an. So die Meldungen aus den letzten Tagen.

Bündig zusammengefasst werden die Schäden in einem Erdüberlastungstag. Das Global Footprint Network prüft dazu jährlich: Wie stark wurden Ozeane, Klima, Wälder und Trinkwasser durch Produktion, Handel und Verbraucher belastet? Wie hoch war der Verbrauch pro Land und weltweit?

Das Ergebnis erschütternd: Bereits am 22. August waren die Ressourcen des Jahres 2020 erschöpft. Was wir darüber hinaus verbrauchen, wird sich in diesem Jahr nicht mehr regenerieren. Die Erde wird ausgepowert. Die Menschheit lebt auf Pump.

Wir müssen umsteuern! In neuer Weise Verantwortung übernehmen. Wir müssen unsere Eingriffe so abwägen, dass sie mit dem Ertrag der Erde wieder vereinbar werden. Die FFF-Bewegung, Fidays for Future, macht dafür gehörig Dampf.

Hochzeitsjubel

Auf sich gestellt wie Robinson Crusoe auf der einsamen Insel war der Mensch unglücklich. So herrlich der Garten auch war mitsamt der ebenfalls von Gott liebevoll gebildeteten Tierwelt. Gott reagiert: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“. Er braucht menschliche Nähe und Ansprache.

Folglich stellt er ihm eine Partnerin zur Seite. Das eine, einsame Erdwesen ist passé. Menschen treten fortan im Dual von Mann und Frau, Adam und Eva in Erscheinung. Die Herausbildung der Frau aus aus der Rippe des Mannes veranschaulicht die Gleichartigkeit beider: Bein vom Bein und Fleisch vom Fleisch. Gleiches Fleisch und Blut. Wie damals üblich, wird vom Mann aus gedacht. So ist auch der Begriff „Ischscha“ für „Frau“ – im jüdischen Witz wird daraus „meine Ische“ – die weibliche Form von „Isch“ (Mann). Im Hebräischen ist die Frau eine „Männin“.

Heute wird die Einheit von Mann und Frau genetisch elegant mit dem gemeinsamen Chromosomensatz von 46 Chromosomen charakterisiert. Ein einziges Chromosomenpaar tanzt bekanntlich aus der Reihe: XX bei der Frau, XY beim Mann.

Freudig überrascht jubelt Adam: „Endlich ist jemand da, der zu mir passt. Der mich versteht. Eva – meine bessere Hälfte. In allem, was auf uns zukommt, wollen wir uns beistehen und helfen.“ Natürlich freute er sich auch darauf, ein Fleisch mit ihr zu werden. Aber nicht hop on – hop off, sondern in einer Bindung auf Dauer.

Adams Jubel ist Hochzeitsjubel! Im Blick ist von Anfang an, was damals nur selten machbar war – das eigene Heim. „Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben.“ Alle Jungverheirateten wünschten sich das. Aber es klappte nur selten, weil das dazu nötige Kleingeld fehlte. In der weiteren Erzählung behandelt Eva Adam als „ihren Mann“ (1. Mose 3,6) und Adam Eva als „seine Frau“. Sie sind ein Ehepaar.

Wir kennen auch überzeugte Singles und etliche Möglichkeiten, nicht allein zu sein. Hier in Gottes erstem Entwurf wird die Zweisamkeit von Mann und Frau, die einander achten und sich beschützen, empfohlen – als schönste Weise, nicht allein zu sein.

Was ist für Sie das Wichtigste im Leben? Die Antwort: Die Familie und die Gesundheit gleichermaßen. Bei den unter 30jährigen führte logischerweise die Familie, bei den über 60jährigen die Gesundheit. (Aus einer Umfage der Apothekenumschau aus dem Jahre 2018.)

Die Zweisamkeit von Mann und Frau steht hoch im Kurs. Aber: Ebenso wie die Würde des Menschen und wie die Biosphäre sind auch Ehe und Familie darauf angewiesen, dass wir sie beschützen und bewahren. Im Durchschnitt hielt eine Ehe 2019 ca. 14,8 Jahre. Was mit großen Erwartungen begann, wuchs nicht zusammen, strebte wieder auseinander.

Ich komme zum Schluss

Wenn Sie den Abschiedsspruch hören: „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zum Staube“, dann denken Sie an Gott, den Sandkünstler. So auch im 146. Psalm: „Des Menschen Geist muss davon und er muss wieder zu Erde werden“.

Der Mensch als persönlich geformte Sandskulptur, der üppige Garten und der Hochzeitsjubel sind Gottes gute Gaben. Sie bilden das Fundament unseres Lebens. Alle drei: die Menschenwürde, unser Planet und Ehe und Familie müssen behütet und beschützt, gepflegt und bewahrt werden. Damit Gottes erster Entwurf in unserer leidvollen Gegenwart zutage tritt.

Entdecke mehr von Licht für die Welt

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen