1)Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. 2)Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3)Und der Versucher trat herzu und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. 4)Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“
5)Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6)und sprach zu ihm : Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab, denn es steht geschrieben: „Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.“ 7)Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“
8)Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. 10)Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: „Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.“ 11)Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.vv8)Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. 10)Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: „Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.“ 11)Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm. (Mt 4,1-11)
Die Wüste – ein Ort der Einkehr und Besinnung
Wir sollten uns nicht darüber wundern, dass Jesus seine Taufe nicht groß feiert. – Bei Johannes am Jordan sammelten sich Nonkonformisten. Jeder kam für sich. Insgesamt eine stattliche Zahl, aber eben kein Familienfest.
Wir sollten uns auch nicht darüber wundern, dass Jesus nach seiner Taufe ausgerechnet in die Wüste strebt. – Johannes war Asket, „Schutzpatron für Fastenzeiten und Wüstentage“. Gerade die karge Wüste ist für ihn der Ort der inneren Sammlung. Hier gibt es nichts, was ablenken oder aufregen könnte, keine Paläste, keinen Handel und Wandel. Auch keine Annehmlichkeiten, die die Sinne betören. Neues Gottvertrauen findet man in der Wüste, nicht in der Stadt.
Aus diesem Grund bereitet sich Jesus in der Wüste fastend und betend auf den neuen Lebensabschnitt vor, der mit der göttliche Proklamation bei seiner Taufe eingeläutet wurde: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Jesus ist zu einem Leben als Sohn Gottes in der Öffentlichkeit bestimmt. Wie bewältigt man das?
Die Wüste – ein Ort der Erprobung und Bewährung
Seine Einkehr und Besinnung werden behelligt! Ein fremder Wille funkt dazwischen und versucht, sich seiner Person zu bemächtigen. So wird die Wüste für Jesus zu einem Ort der Erprobung und Bewährung wie das einst für Israel der Fall war.
In der 40jährigen Wüstenwanderung lernte das Volk, unter schwierigen Bedingungen sich ganz und gar auf Gott zu verlassen. Mose erinnert das Volk daran:
„Und gedenke des ganzen Weges, den dich der HERR, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.“ (5.Mose 8,2)
Jesus steht das unmittelbar vor Augen. Die Erfahrungen der Wüstenwanderung helfen ihm, den drei vermeintlich erfolgversprechenden Vorschlägen desTeufels entgegenzutreten.
Sorge selbst für dich!
Der Versucher packt ihn bei seinem nagenden Hunger: „Merkst du nicht, dass auf Gott kein Verlass ist? Er lässt dich hier glatt verhungern. Du musst für dich selber sorgen: Ein einziger Wink und dieser Felsbrocken wird zu einem duftenden Brot! Im Übrigen solltest du ein Leben führen, das deinem Rang entspricht, so wie der Hohepriester in Jerusalem, der Statthalter in Caesarea oder besser noch wie der Kaiser selbst in Rom! Nicht nur, ohne Hunger und Durst zu leiden, sondern mit einem Palast, einem Hofstaat, Gepränge und allen Annehmlichkeiten, die die Welt zu bieten hat.“
Jesus schöpft er aus dem Gedanken Kraft, dass Gott das Volk in der Wüste auch in den schlimmsten brotlosen Tagen versorgte. Er beruft sich auf die Tora:
Der HERR „ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht.“(5. Mose 8,3)
Beweise deine Gottessohnschaft!
„Wenn du dermaßen fromm bist“, klinkt sich die intelligente und suggestive Macht sofort ein, „kannst du davon kolossal profitieren. Komm mit nach Jerusalem zum Tempel. Ich werde dir zeigen, wie das geht.“
Auf der Südseite vom Kidrontal aus bot der Tempelbezirk einen imposanten Eindruck. Die Zinne auf der Ostseite am Ende der königlichen Halle thronte etwa 80m über dem Tal. Der Teufel wurde ganz feierlich und zitierte seinerseits aus der Tora:
„Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab, denn es steht geschrieben: ‚Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.’“
Auf der Stelle kontert Jesus mit dem Vers: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen wie ihr ihn versucht habt in Massa.“ (5. Mose 6,16)
Der Vorschlag des Teufels klingt harmlos, hat es aber in sich: Jesus soll Gott, den Vater, herbeizitieren; ihn nötigen, sogleich auf seine Seite zu treten. Dafür bietet die Wüstenwanderung Israels ein Exempel: Massa. Bei extremer Hitze ohne einen Tropfen Wasser wurde Gott ein Ultimatum gestellt. Es fielen Worte wie:
„So geht es nicht mehr weiter! Sollen wir hier sterben?“
„Wenn er unter uns ist, muss er augenblicklich für Wasser sorgen! Sonst wenden wir uns von ihm ab.“ Ein Ultimatum! Gott wird herbeizitert.
„Wir wollen wissen: ‚Ist der HERR unter uns oder nicht.’“ (2. Mose 17, 7)
Der Vorfall ging noch einmal glimpfliche aus. Gott wies Mose an, mit seinem Stab an einen Fels zu schlagen, der daraufhin erfrischendes Wasser spendete. Im Gedächtnis aber blieb haften, dass Gott sich ultimative Forderungen verbittet und sie gegebenenfalls ahndet.
„Alle Männer, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben, die ich getan habe in Ägypten und in der Wüste, und die mich nun zehnmal versucht und meiner Stimme nicht gehorcht haben, von denen soll keiner das Land sehen, das ich ihren Vätern zu geben geschworen habe.“ (4. Mose 14, 22f.)
Gott will nicht herbeizitiert werden! Jesus geht deshalb zurückhaltend mit Wundtaten um. Er will ein Prediger sein, kein Heiler. Wenn diesbezüglich ein Missverständnis droht, entzieht er sich der Menge. „Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind“, ist nicht sein Motto.
Sprich die Sprache der Gewalt!
Erneuter Ortswechsel. Diesmal auf einem Berggipfel. Einst zeigte Gott Mose das gelobte Land, nun weist der Teufel auf die Länder der Erde. Erbietet Jesus seine Dienste an, Herr der Welt zu werden.„Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.“ Im Klartext: Sprich die Sprache der Gewalt, und alle werden dich im Nu verstehen.
Jesus weist ihn von sich: „Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: ‚Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.’“
Am Heiligen Abend singen die Engel „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“ Gott anzubeten und für den Frieden auf Erden einzutreten, gehört für Jesus zusammen. Er will keine Untertanen, sondern Getreue, Menschen, die sich auf ihn verlassen. Sein Auftrag an die Jünger lautet,„machet zu Jüngern alle Völker“(Mt 28,19) durch Taufen und Lehren – nicht durch das Schwert!
Dafür braucht er keine Machthaber oder Regenten, sondern Diener:
„Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht.“(Mt 20,25-27. Sein Reich ist nicht von dieser Welt (Joh 18,36).
Jesus wurde als Gottessohn in der Wüste erprobt wie einst Israel und hat dem Versucher standgehalten.Er lebt die Gottessohnschaft konträr zu den Vorschlägen des Teufels: als einfaches, überzeugendes Leben im Vertrauen auf Gott, den Vater.
Unser Wüstentag
Der Versucher verließ Jesus. Toxisches Gedankengut blieb weiter im Schwange. Ein Wüstentag, ein Tag der Einkehr und Besinnung, kann helfen, Gefahren zu erkennen und auf dem Kurs Jesu zu bleiben. Dazu drei Beispiele:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!
Unter Umständen bringt mehr Geld nicht mehr Glück! – In einer weltweiten Studie wurden jährlich dieselben Leute befragt: „Wie zufrieden sind sie mit ihrem Leben – auf einer Skala von 0 bis 10?“ Das Ergebnis für Deutschland:
- Steigende Einkommen (von 1991 bis 2015 um 15%),
- stagnierende Lebenszufriedenheit (im ganzen Zeitraum bei 7,5 Punkten).
In anderen Ländern verhält es sich ähnlich. Die Lebenszufriedenheit hängt dann nicht mehr vom Einkommen, sondern von anderen Gesichtspunkten ab.
Biblisch gesprochen: Der Mensch braucht Brot um zu leben, aber erlebt nicht vom Brot allein. Ob er mit seinem Leben zufrieden ist oder nicht, hängt auch davon ab, ob er einen Sinn in seinem Leben sieht. Ob er vertrauen und danken kann.
Das Wunder darf nicht zum liebsten Kind des Glaubens werden!
In einigen Pfingstkirchen in den Südstaaten der USA werden Giftschlangen im Gottesdienst eingesetzt, das sogenannte Snake Handling. Auf Youtube kann man dem Prediger Cody Coats dabei zusehen. Er betritt mit einem durchsichtigen Koffer seine schlichte Kirche. Die Band beginnt zu spielen. Er greift die Schlange und tanzt mit ihr in der Hand. Reicht sie auch weiter. Plötzlich ein Biss. Blut auf seinem Hemd. Er wankt und wird ins Krankenhaus gebracht.
In unserer religiös gemäßigen Zone besteht man auch auf Wunder – leise, dezent, aber bestimmt. Viele Male bekam ich zu hören: „Gott ist für mich erledigt. Er hat nicht geholfen, als ich ihn gebraucht habe.“
Jesus will keine Untertanen und keine Machthaber!
Das Verhältnis der monotheistischen Religionen zur Gewalt steht im Zentrum öffentlichen Interesses. Die Gewalt ablehnenden starken Worte Jesu traten im Laufe der Zeit in den Hintergrund. Mit der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion lebte die Kirche unter dem Einfluss staatlicher Macht. Alle Christen waren Untertanen, und alle Untertanen hatten Christen zu sein. Es entwickleten sich vielfältige Strukturparallelen zwischen Staat und Kirche.
- Neu eroberte Gebiete wurden gewaltsam bekehrt.
- Auch der Papst wurde ein weltlicher Machthaber und rief zum Kreuzzug.
- Im Innern des Christentums brachen Konfessionskriege aus.
Ich komme zum Schluss
Der Teufel gehört nicht nicht in das Glaubensbekenntnis. Wir glauben nicht an den Teufel, sondern an Jesus Christus, der seine toxischen Ratschläge anhand der Tora abgewiesen hat. Worin besteht unsere Erprobung und Bewährung? Wie können wir auf dem Kurs Jesu bleiben? Halten wir fest:
- Das Wunder darf nicht zum liebsten Kind des Glaubens werden.
- Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Gott sorgt für uns.
- Jesus will keine Untertanen, sondern Menschen, die sich auf ihn verlassen; keine Machthaber, sondern Dienerinnen und Diener.

