Rückblick und Ausblick.
Am Jahresende gibt die Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort bekannt, das am meisten Aufsehen erregte. Das Wort des Jahres 2017 war:„Jamaika-Aus“. Am Jahresanfang gibt die evangelische Kirche das Bibelwort bekannt, das nicht nur für einen Tag wie die Tageslosung, sondern für alle 365 Tage eine geistlich Anregung bieten soll. Für das Jahr 2018 lautet es:
Gott spricht:
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst (Offb 21,6)
„Trinken Sie erst einmal ein Glas Wasser“, sagt die freundliche Arzthelferin. Ich liege auf dem Boden in der Augenarztpraxis. Die Füße leicht erhöht. Es war der erste Arztbesuch nach einer Star-Operation im Juni vorigen Jahres. Der Doktor hatte den Verband abgenommen und das operierte Auge durchleuchtet. Dann: „Blicken Sie mal nach oben.“ – „Nun nach rechts.“ Mir wurde mulmig. „Nun nach unten.“ Noch mulmiger. „Nun nach links.“ Kollaps. Nichts ging mehr. Ich musste mich auf dem Boden ausstrecken. „Trinken Sie erst einmal ein Glas Wasser!“
Soweit mein Zugang zur Jahreslosung. Auch hier wird ein erfrischender Trank gereicht. Von Gott selbst. Der Gott der Bibel ist nicht die stumme, teilnahmslose „höhere Macht“, im Sinne von: „Ich glaube an eine höhere Macht. Irgendetwas wir es da oben schon geben.“
Gott weiß, was Durst ist und wer Durst hat. Ein „Etwas-über-uns“ nicht. Ohne eine Gegenleistung zu erwarten, bietet er ein Glas aus der Quelle des lebendigen Wassers an. „Wenn dir schwarz von Augen wird, will ich dich wieder aufbauen und stärken.“ Das Wasser des Lebens für das Neue Jahr 2018!
Wer leidet Durst? Was für ein Durst ist gemeint? Wo befindet sich die köstliche Quelle?
2018 : Kummer, Sehnsucht und gute Vorsätze
Beginnen wir mit den uns bekannten Sorgenkindern!
Jenen, die in Schwierigkeiten stecken. Das Geld reicht vorn und hinten nicht; sie kommen nur knapp über die Runden. Oder jenen, die einsam sind und die Feiertage ohne Angehörige, Freunde oder Nachbarn verlebten. Schließlich jene, die merken, dass sie mehr und mehr auf Hilfe angewiesen sind und sich nach ihrer alten Tatkraft zurücksehnen.
Der alte Priester Zacharias preist
„das aufgehende Licht aus der Höhe“,
das denen erscheinen wird,
„die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes“
und „unsere Füße auf den Weg des Friedens“ richten wird.
(Lk 1,78f.)
Jesus ist dieses Licht. Er wandte sich an alle in Finsternis und im Schatten des Todes:
„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28)
Ich lese gerade den Roman „Ein leuchtend blauer Faden“ von der amerikanischen Schriftstellerin Anne Tyler. Da ordnen die vier erwachsenen Kinder den Nachlass ihrer überraschend verstorbenen Mutter Amy Whitshank. Darunter ein vergilbter Zettel mit guten Vorsätzen für das Neue Jahr aus der Zeit, als sie noch klein waren:
„Bis Zehn zählen, bevor ich die Kinder ausschimpfe!“
„Täglich daran denken, dass meine Mutter immer älter wird und wir sie einmal nicht mehr haben werden.“
Im Internet fand ich zehn gesundheitsorientierte gute Vorsätze. – Kommt etwas für Sie in Frage?
Weniger Stress!
Mehr Bewegung!
Gesündere Ernährung!
Mehr Zeit für sich selbst (und für Gott- setze ich dazu)!
Weniger Rauchen!
Weniger Alkohol! (wird gerne eau-de-vie genannt, ist aber kein Wasser des Lebens)! Ausreichend schlafen!
Mehr Zeit für Familie und Freunde (und den Nächsten – setze ich dazu)!
Zur Vorsorge gehen!
Weniger fernsehen!
Ist ein einfaches „Weiter-so“ am Neujahrstag nicht zu mager? Wie wäre es mit einer Inventur: Was war bisher gut? Woran haperte es? Was möchte ich besser machen?Eine Fundgrube für gute Vorsätze sind die Briefe des Apostels Paulus. Alle seine Anregungen weisen in eine bestimmte Richtung:
Nicht zügellos und eigennützig leben, sondern so leben wie es Gott gefällt!
Paulus begleitet seine Gemeinde – somit auch uns – mit der kraftvollen Fürbitte:
„Der Herr lasse eure Liebe zueinander und zu allen Menschen wachsen.
Er mache euch innerlich stark, damit ihr vor unserm Gott und Vater in untadeliger Heiligkeit dasteht, wenn Jesus, unser Herr mit allen seinen Engeln kommt.“
(1. Thess 3,12)
Vom der Vollendung her denken
Am ersten Tag des Neuen Jahres greifen wir zum letzten Buch der Bibel. Die Offenbarung des Johannes ist überaus anstrengend, voller dunkler, ja gruseliger Abschnitte. „Gehört so etwas überhaupt in die Bibel?“ fragte man schon öfter. Aber dabei blieb es dann. Warum?
Weil der mühsame Weg durch die dunklen Kapitel mit den sieben Siegeln, den sieben Posaunen und den sieben Zornschalen einer Bergbesteigung gleicht! Hat man ihn hinter sich gebracht, wird man auf dem Gipfel mit einer herrlichen Aussicht belohnt. In den beiden Schusskapiteln 21 und 22 wird der Inbegriff der christlichen Hoffnung entfaltet, die alle irdischen Horizonte übersteigt. Das Reich Gottes, das Jesus ankündigte, die Fülle des Heils als Ziel der Geschichte von Mensch und Welt.
„Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb 20,5). So wird Gott die Weltschöpfung vollenden:
- Neu werden Himmel und Erde – unübertrefflich gut, ohne all die natürliche Übel, die uns plagen.
- Neu wird Jerusalem – als gemeinsame Wohnstätte von Gott und Menschen. Hier wird er bei ihnen wohnen, ihnen immer nahe und verlässlich sein.
- Neu wird die Natur – umsonst heilend und lebensspendend mit „einem Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall der ausgeht von dem Thron Gottes…und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte…und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker.“ (Offb 22,1f.)
Von dieser Quelle spricht unsere Jahreslosung!.
Aus ihr gibt Gott dem Durstigen umsonst zu trinken. Sie spendet nicht „lebendiges Wasser“ (Luther-Übersetzung). Bei „lebendigem Wasser“ denkt man vermutlich an den Rheinfall von Schaffhausen im Unterschied zur Havel oder an die Nordsee im Unterschied zum Grunewaldsee. Sie spendet einen Vorgeschmack auf Gottes Zukunft mit uns und mit der Welt ohne Tränen, ohne Tod, ohne Leid, ohne Klagegeschrei und ohne Schmerz (Offbg. 21,4). Dementsprechend auch ohne Durst, ohne Kummer und ohne Sehnsucht. Darin liegt ihre besondere verwandelnde Kraft.
Sie spendet das Wasser des Lebens. So wird die Jahreslosung wörtlich übersetzt:
Gott spricht:
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des Wassers des Lebens umsonst.
(Offb 21,6)
In diesem Glauben lebte der Apostel Paulus. Er vertraute auf das Kommen des Reiches Gottes „Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ ( Röm 8,18) Was sich ihm auch in den Weg stellte, er wusste sich von Gottes Macht umgriffen. Er sah die Gegenwart im Horizont der Zukunft. Das richtete ihn immer wieder auf.Das Endgültige machte ihn zuversichtlich und tapfer, das Vorläufige recht zu bestehen.
Der Großkritiker Marcel Reich-Ranicki, 13 Jahre lang Chef des Literarischen Quartetts im ZDF, beendete jede Sendung prägnant: Und so sehen wir betroffen der Vorhang z u und alle Fragen o f f e n . (Berthold Brecht) Ein zutreffendes Resümee. Trotz der stets äußerst temperamentvollen und unterhaltsamen Beiträge Reich-Ranickis blieb es bei unterschiedlichen Bewertungen und offenen Fragen.
Der Vorhang zu und alle Fragen offen. – Ist das unsere Zukunftsperspektive für die Geschichte, die Welt und für uns persönlich? Alles ist offen. Niemand weiß, was passieren wird. Alles Leid, alles Klagegeschrei, aller Schmerz, alle Tränen waren umsonst?
Die Bibel denkt von der Vollendung her: Wenn wir beten: „Dein Reich komme“, stehen wir nicht an einem geschlossenen Vorhang – resignierend, sondern an einem offenen Vorhang: Der Vorhang a u f und k e i n e Frage offen.
So beten wir darum, dass Gottes Zukunft in unserer Gegenwart anbricht. Ihr Vorgeschmack ist das Wasser des Lebens.
2018: Viel zu wenig Wasser
Gott tröstet und stärkt uns, damit wir andere trösten und stärken.
Die Brot-Welt-Aktion für 2018 „Wasser für alle“, für die bereits am Heiligen Abend – soweit ich weiß – 7.000€ gesammelt wurden, zielt auf die an Durst Leidenden ab: 850 Millionen Frauen, Männer und Kinder ohne sauberes Trinkwasser, ohne Brunnen, Speicher und Leitungen.
Eine Kleinbäuerin aus Kenia erzählt, wie es war bevor, die Hilfe kam:
Wir tranken zu wenig und hatten oft Kopfschmerzen. Täglich musste die Wasserstelle am Fluss aufgesucht werden. Ein Weg von 7km. Fünf Stunden Fußweg hin und zurück. Der Kanister fasste bis zu 30l. Und drückte schwer. Die Frauen des Dorfes brachen zusammen im Morgengrauen auf. Allein war es wegen der wilden Tiere zu gefährlich. Die bange Frage „Wird genug Wasser da sein?“ begleitete sie. Für alle Fälle hatten sie immer eine Schöpfkelle dabei. Mit ihr kamen sie auch in kleine Wasserlöcher, aus denen auch die Tiere tranken.
Heute ist es besser: Ein Felsen in der Nachbarschaft des Dorfes 2000 qm breit, leichte Schräglage, wurde mit einer Art Dachrinne samt Abflussrohr versehen. So konnte das kostbare Nass in einen Speicher strömen. Ein Wasservorrat für jeden Tag
Ein Beispiel für die Hilfe in großer Not, die wir 2018 im Auge behalten sollten.
Ich komme zum Schluss
Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des Wassers des Lebens umsonst.
Wer leidet Durst? Was für ein Durst ist gemeint? Wo befindet sich die köstliche Quelle?
- Wer leidet Durst? – 850 Millionen Menschen ohne sauberes Trinkwasser, Brunnen, Leitungen und Speicher. Wichtig, dass Ihnen geholfen wird. Wir sollten die vielen an Durst leidenden Menschen im Neuen Jahr nicht aus den Augen verlieren.
- Was für ein Durst ist noch gemeint? – Kummer, Sehnsucht und das Streben nach dem Guten. Es wird im Neuen Jahr Kraft kosten, in schweren Tagen Zuversicht zu bewahren und im Alltag zu den guten Vorsätzen vom Jahresanfang zu stehen.
- Wo befindet sich die köstliche Quelle? – Das Wasser des Lebens stammt aus einer Quelle, die nicht versiegt. Es bietet einen Vorgeschmack auf Gottes Reich ohne Tränen, Schmerz, Leid und Tod, den Inbegriff aller christlichen Hoffnung. Wenn wir beten: „Dein Reich komme!“, denken wir von der Vollendung her. Wir stehen nicht an einem geschlossenen Vorhang – resignierend, sondern an einem offenen Vorhang in der Klarheit des Herrn, die so in unser Leben hineinwirkt. „Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ (Röm 8,18)

