Im Mittelpunkt der von Hans Joachim Burgert (1928-2009) gestalteten Kassettendecke im Vorraum der Kirche Zum Heilsbronnen befinden sich vier pfingstliche Bildtafeln. Auf goldenem Hintergrund zeigen sie Personen, über denen die Flamme des Heiligen Geistes schwebt. Das Leben in der Gegenwart Gottes erfüllt von der Kraft aus der Höhe. Beginnend mit Petrus, der vor der Menge predigt und 3.000 Menschen tauft. Dann: Petrus und Johannes heilen einen Lahmen, Saulus wird bekehrt.
16 Bildtafeln mit blauem Hintergrund umschließen die vier pfingstlichen Bilder. Nackte Gestalten fallen ins Auge. Mann und Frau, Eva reicht Adam den Apfel, gebückt und bedrückt verlassen beide den Garten Eden. Diese Bilder erzählen von Schöpfung und Fall des Menschen. Vom ersten Schöpfungstag, als der Geist Gottes über den Wassern schwebte, bis zum Turmbau zu Babel und der darauf folgenden Verwirrung der Sprachen.
Diese Anordnung der Bilder mit dem blauen und dem goldenen Hintergrund gibt einen Anstoß für das Pfingstfest, das wir heute feiern: Die Ausgießung des Heiligen Geistes ist eine neue Schöpfung, die sich inmitten der alten Schöpfung ereignet.
Die Worte Jesu aus dem heutigen Evangelium (Joh 14,23-27) gewinnen dadurch an Reichweite. Sie bilden einen Konrast zur alten Schöpfung.
„Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“ (Joh 14, 23b)
Im zweiten Schöpfungsbericht lesen wir:
- „Da macht Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“ (1. Mose 2,7)
Jeder Mensch hat sein Leben und seine Menschenwürde von Gott. Er ist ein „Geschöpf Gottes“ – darin liegt seine Größe und zugleich seine Grenze. Er ist Gott nahe und zugleich wieder fern. Heute ist er offen für ihn, morgen gänzlich verschlossen. Sein Herz ist unbeständig.
Gott unternimmt einen neuen Schritt, um dem Menschen bleibend nahe zu sein. Im Johannesevangelium wird beschrieben, dass Jesus seine Jünger anhaucht. Der auferstandene Herr kommt zu seinen Jüngern und begrüßt sie. Dann heißt es: „…er blies sie an und spricht zu ihnen: ‚Nehmet hin den Heiligen Geist!’“(Joh 20,21) So nimmt er Wohnung bei ihnen und verändert ihr Leben. Der Hauch des Heiligen Geistes führt in die Neue Schöpfung.
„Wer mich liebt, der wird mein Wort halten.“ (Joh 14, 23a)
In der alten Schöpfung herrscht Misstrauen gegenüber Gott und seinen Geboten:
- „Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?“(1. Mose 3,1), fragt der Versucher. In diesem Sinne wird seither jedes der Zehn Gebote in Zweifel gezogen:
- Sollte Gott gesagt haben:„Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“? – Ich sehe das aber anders! Wir glauben alle an denselben Gott. –
- Sollte er gesagt haben: „Du sollst den Feiertag heiligen“? Ich sehe das aber anders! Der Sonntag ist mein Einkaufstag.
- Sollte er gesagt haben „Du sollst nicht ehebrechen.“? Ich sehe das aber anders! Für eine neue junge Liebe lasse ich meine Alte sitzen.
Die neue Schöpfung: Der Heilige Geist bezeugt uns, dass wir Gottes geliebte Kinder sind, die sich voll Vertrauen an ihren Vater wenden: „Abba lieber Vater“(Röm 8,15). Jesus weist einmal auf die Kinder und sagt: „Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“(Mk 10,16) Dazu gehört, dass wir Gott vertrauen, uns von ihm trösten lassen und uns an sein Wort halten.
„Meinen Frieden gebe ich euch“ (Joh 14, 27)
In der alten Schöpfung herrscht Krieg: „Da ergrimmte Kain und senkte finster seinen Blick.“(1. Mose 4, 5) Von dort führt eine schnurgerade Linie in unseren Alltag. „Jugendliche foltern und filmen Mitschüler“, berichtete gestern die Zeitung. In Frohnau wurde ein 14-jähriger von Gleichaltrigen unter Alkohol gesetzt, beraubt und misshandelt. Vandalismus in der Eisenbahn.
Die neue Schöpfung bringt Frieden. Jesus schenkt Frieden, weil er die Grundlage allen Lebens ist und weil wir ihn dringend brauchen. Vom Kirchentrag in Bremen wird berichtet, dass unter den 90.000 Besuchern eine freundliche Atmosphäre herrschte, die in der ganzen Stadt bemerkt wurde. Man ließ sich ausreden. In den Schulen wurde vor der Abreise aufgeräumt. – Nicht zu vergleichen mit der Randale nach manchem Fussballspiel. Fans gehen aufeinander los. Eisenbahnwaggons werden auseinandergenommen.
Ich komme zum Schluss
Die Kassettendecke im Vorraum unserer Kirche wies uns darauf hin:
- Wir feiern heute, dass zu Pfingsten ein neues Handeln Gottes an der Schöpfung und mit der Schöpfung begonnen hat.
- Wir danken Gott dafür, dass er mit seinem Heiligen Geist in unsere Welt machtvoll eingreift, und sie und uns erneuert.
- Wir danken ihm für seinen Geist, durch den wir Jesus Christus als unseren Herrn und Heiland erkennen, und in diesem Glauben mit unseren Brüdern und Schwestern in aller Welt verbunden sind.
(Die vier Pfingstbilder der Kassettendecke sind im Netz unter http://yelp.de finden.)
