Kummer und Hoffnung: Weihnachten in der Pandemie

Von iPhone zu iPhone wanderte die Info:

Für alle, die auch dieses Jahr eine Weihnachtskrippe aufstellen wollen unter Berücksichtigung der derzeit geltenden Regeln:

  • Jesus, Maria und Josef = ein Haushalt…aber dann wird es eng.
  • Hinzu kommen die Hirten (laut Überlieferung mindestens zwei).
  • PLUS die drei Weisen.

Gehen wir davon aus, dass die (mindestens) zwei Hirten nicht miteinander verwandt sind und die drei Weisen auch nicht in einer WG leben, kommt man auf insgesamt ACHT Leute aus SECHS Haushalten!!! – Was kann man tun?

  • Die drei Weisen erst am 6. Januar dazu stellen.
  • Die Hirten am 5. Januar nach Hause schicken.
  • Zettel ausfüllen lassen mit: Name, Anschrift, Ankunfts- und Abreisezeit.
  • Desinfektionsspender aufstellen.
  • Und ganz wichtig: Mit Markierungsband die Abstände vorm Stall und die Einbahnstraßenregelung klar kennzeichnen.
  • Nicht zu vergessen, die Security vor den Eingang zu stellen.
  • Zusatz: Die drei Könige bringen statt Gold, Weihrauch und Myrrhe – Klopapier, Hefe und Nudeln mit.

Spass beiseite. In diesem Jahr: Weihnachten auf Abstand! Schutzmassnahmen und Lockdown haben unser Land verändert. Gottesdienste wurden abgesagt.

Ein Stresstest…

für den kleinen Emil (3): Den ganzen Tag muss der quicklebendige Dreijährige in der Wohnung bleiben. Mutter, Vater und das Schwesterchen dürfen raus an die frische Luft. Er nicht. In der Kita wurde er von zwei infizierten Erzieherinnen betreut. Nun verhängte das Gesundheitsamt 10 Tage häusliche Quarantäne. Samt einem Test und einem abschließenden Schnelltest am 24.12. „Weihnachten geht den Bach runter“, so die strapazierte Mutter.

…für Familie Hoffmann: Aufgrund der Kontaktbeschränkung für Weihnachten wurde ihr Planen durcheinander gebracht: Maximal fünf Personen, Kinder bis 14 Jahren werden nicht mitgezählt. Das bedeutet: „Türen zu, Fenster auf“.“ Die Verwandten aus Lüneburg müssen zum ersten Mal seit 20 Jahren zu Hause bleiben. Zusammen feiern kann nur die Kernfamilie: Vater, Mutter und die drei Kinder über 14 Jahren.

…für Einsame: „In den vergangenen Tagen hatten wir mehrere Anrufe älterer Menschen, die sich nicht mehr zum Einkaufen nach draußen trauen und die nicht wissen, was sie über die Feiertage essen sollen“, meldete die Leiterin einer Hotlinie.

…für die ganze Welt: In seiner Rede vor dem Bundestag am 18. Dezember etikettierte UN-Generalsekretär António Guterres das Jahr 2020 als ein Jahr, „in dem wir wie nie zuvor auf die Probe gestellt werden“. Die Corona-Pandemie habe bisher 1,5 Millionen Menschenleben gefordert. Armut und Hungersnöte nehmen zu. Überall hätten die Schwächsten am meisten zu leiden: Die tageweise Beschäftigten, die in Indien und Lateinamerika kurzerhand auf die Straße gesetzt werden; Bewohner/-innen in den Slums ohne Abstand und Hygiene; alle, denen nicht geholfen werden kann, weil die medizinische Versorgung fehlt.

Eine schlimme Lage voller Kummer und Tränen. Gott ist in der Pandemie verborgen. Der Skeptiker hebt den Zeigefinger: „Ich habe es ja immer gesagt: Entweder ist euer Gott nicht allmächtig oder er ist nicht barmherzig!“ Die Gegner grinsen: „Den haben wir erledigt!“ Dieses Dilemma ist weder mit Logik noch mit Metaphysik auzubalancieren.

Kann man es durchstehen, erleiden? Ein Beispiel dafür gibt Psalm 13, ein Klagegebet eines Einzelnen.

Wenn der Kummer Tag für Tag an meinem Herzen nagt…

Ich möchte mich in der Krise nicht von Gott abwenden und halte mich an ein bewährtes Gebet, bei dem Leidendeimmer wieder Kraft schöpften. Das Gebet ist offen für verschiedene Sitationen und kann von vielen Betenden verwendet werden. Gott wird als Gegenüber in Anspruch genommen.

  • HERR! Hast du mich für immer vergessen?
  • Wie lange willst du dich noch verbergen?
  • Wie lange sollen mich die Sorgen quälen,
  • soll der Kummer Tag für Tag an meinem Herzen nagen?
  • Wie lange dürfen meine Feinde mich noch bedrängen?

Zu Beginn ein Vorwurf! Gott wird angeklagt. Die Leidende protestiert gegen ihr Leid, das sich wie eine Mauer zwischen ihr und Gott auftürmt. „Sorgen und Kummer nagen Tag für Tag an meinem Herzen.“ Ich denke dabei an alle die von der Pandemie betroffen sind, insbesondere an alle, die sich nicht frei bewegen können und darunter leiden; an die Erkrankten in der Quarantäne und in den Krankenhäusern; an die Ärztinnen und Pfleger, denen die Arbeit über den Kopf wächst und denen vor der Triage graut.

  • Sieh mich doch wieder an, HERR!
  • Gib mir Antwort, du mein Gott!
  • Mach es wieder hell vor meinen Augen, damit ich nicht in Todesnacht versinke!
  • Sonst sagen meine Feinde: „Den haben wir erledigt!“
  • und jubeln über meinen Sturz.

Wenn Gott wieder hinsieht und herhört, kann alles gut werden. Die Leidende möchte wieder angenommen werden. Die matt und schwach gewordenen Augen sollen aufs Neue hell und fröhlich leuchten, Lebenskraft und Lebenswillen aufblühen.

  • Doch ich verlasse mich auf deine Liebe,
  • ich juble über deine Hilfe.
  • Mit meinem Lied will ich dir danken, HERR,
  • weil du so gut zu mir gewesen bist.

In der dritten Strophe – eine überraschende Wende zu einer positiven Sicht der Dinge. Auf welche Weise der Beterin geholfen wurde, wissen wir nicht mehr. Nicht immer passierte sofort etwas. Aber es kehrte ein Grundvertrauen ein. Auf Gott ist Verlass. Er ist gut zu mir gewesen, also wird er mir auch wieder seine Hilfe erweisen. Sogar ein Loblied werde ich anstimmen.

Gottes verlässliche Liebe

Ein weihnachtliches Bibelwort: So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3,16)

Gott ist gestalterisch am Werk! Er liebt die Welt – auf eine ganz bestimmte Weise. Nicht so, dass er im Himmel einen Stecker zieht und alle Krankheiten vom Netz nimmt. Vielmehr tauchte er, Gott, der Sohn, tief in unser immer unperfektes Leben ein. In einem kleinen Dorf am Rande des römischen Reiches… Seither lebt und wirkt Jesus Christus unter uns. 30 Jahre lang leibhaftig, dann im Heiligen Geist. Der den Menschen zugewandte, gütige Gott, unser Bruder.

Jesus tröstet! „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“(Mt 11,28) Er zeigt Mitgefühl mit Frauen und Männern in Angst, Sorgen und Bedrängnis; schenkt ihnen leuchtende Augen.

Jesus heilt! Mikroorganismen: Bakterien, Viren, Pilze – unsichtbar, tausendfach kleiner als wir selbst – bevölkern die Erde länger als wir. Sie sind Teil unseres Lebens und begegnen uns jeden Tag in vielen Formen. Auch als tückische Krankheitserreger wie gerade in der Corona-Pandemie. Zur Zeit Jesu kursierte die Lepra, eine aus Indien übertragene, von Bakterien verursachte, ansteckende, schmerzende Hautkrankheit, die meistens zum Tode führte.

Aussätzige mussten Abstand halten. Einer von ihnen wagte sich trotzdem an Jesus heran, „kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen.“ Jesus lässt sich bitten: „Und es jammerte ihn, und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! Und alsbald wich der Ausatz von ihm, und er wurde rein.“(Mk 1,40-42)

Jesus gibt Hoffnung im Kampf gegen den Tod! Durch die Zusage des „ewigen Lebens“ hilft er, gefestigter zu leben. Das irdische Leben wird imprägniert nicht nur gegen Wasser und Schmutz, sondern gegen Verzweiflung und Verlorenheit. Ein unsichtbarer Schutzschild gegen den Tod und seine Tentakel, lebenszerstörerische Ereignisse, die uns zermürben. – Dadurch wird man selbst zur Stütze für andere, die einen brauchen.

Ich komme zum Schluss

Für alle, die auch dieses Jahr eine Weihnachtskrippe aufstellen wollen: Vorsicht! In der Krise geht das nicht aus dem Stand. Zu viel steht auf der Kippe. Womöglich geht Weihnachten den Bach runter.

Man kann sich auf den Weg machen und sich Schritt für Schritt im eigenen Rhythmus dem Lauf des alten Gebets anschließen. Einmal, zweimal, häufiger… Im Kummer öffnet sich eine Tür zum Gottvertrauen: „So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden , sondern das ewige Leben haben.“

Dazu passt das weihnachtliche Loblied: O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit./Welt ging verloren, Christ ist geboren./Freue, freue dich, o Christenheit. In Kummer und Not gewinnt dieses Lied einen besonderen Klang! Den ersten Vers stimmten erstmals im Jahre 1816 30 arme Waisenkinder an, die im Hause von Johann Daniel Falk in Weimar mit dem Nötigsten versorgt wurden.

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