Die Rückkehr nach Zion: Hoffnung und Heil

1)Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.
2)Sie wird blühen und jubeln in aller Lust und Freude. Die Herrlichkeit des Libanon ist ihr gegeben, die Pracht von Karmel und Scharon.
Sie sehen die Herrlichkeit des HERRN, die Pracht unseres Gottes.
3)Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie!
4)Sagt den verzagten Herzen:
Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott!
Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.“

5)Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. 6)Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. 7)Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnenquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen.

8)Und es soll dort eine Bahn sein, die der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren. 9)Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen. 10)Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jes 35,1-10)

Was der Prophet ankündigt…

Gottes Herrlichkeit


Inmitten der Sorgen und Ängste seiner Zeit… Wir schreiben das Jahr 540 vor Christus. Israel ist besiegt, Jerusalem zerstört, die Männer, Frauen und Kinder tot oder verletzt nach Babylonien verschleppt. Mittendrin im Untergang – ein Prophet, seine Worte sind im Buch Jesaja überliefert, er stellt den Versprengten die Ankunft Gottes, den Advent, vor Augen:

Gottes prachtvolle Herrlichkeit,
der Jubel der belebten und der unbelebten Schöpfung,
die Blumen, die in festlichen Farben leuchten.


Die Welt im Lichte ihrer letzten Zukunft, des Advents Gottes! Was kein Auge je gesehen hat, wird zu schauen sein. Zu s c h a u e n sein! Bisher ging man davon aus, dass in Gottes Herrlichkeit, dem ihm eigenen ungeschaffenen Licht das menschliche Auge zerspringt. „Kein Mensch wird leben, der mich sieht.“(2. Mose 33,20) Mose war der einzige, dem aus dem Schutz einer Höhle ein kurzer Ausblick gewährt wurde.

Dabei vergisst der Prophet nicht die Not um ihn herum. Er hat versucht, Schmerzen und Seufzen zu lindern. Er wusste, wer in seiner Gemeinde blind, gehbehindert, stumm oder taub war. Viel konnte die damalige Medizin nicht für sie tun. Die Hilfsmittel waren nicht der Rede wert. Die Behinderten wurden mit durchgefüttert, so gut es eben ging.

Er wusste auch, wessen Hände müde und wessen Knie weich geworden waren. Vertreibung und die Rechtlosigkeit in der Fremde hatten die Menschen ihrer Tatkraft beraubt, mürbe gemacht.

Wenn Gottes Herrlichkeit die irdische Wirklichkeit durchdringt, heilt sie Mensch und Natur. Die Fesseln des Leibes und der Seele lösen sich. Augen sehen wieder, Ohren hören wieder, Füße tanzen wieder, Münder jubeln wieder. Stärke, Festigkeit, Freude und Wonne kehren zurück.

dIE hEIMKEHR NACH jERUSALEM


Der Prophet beschreibt einen heiligen Weg. Bestens befestigt. Aufgeschüttet wie ein Deich, damit er nicht unterspült werden kann. Sicher vor Raubtieren. Reserviert für das Volk Gottes. Auf ihm werden die aus der Gefangenschaft Erlösten heim zum Zion, heim nach Jerusalem ziehen können.

Sicher sind Sie eben auch über das Wort „Rache“ gestolpert: Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.“

Zunächst: sie ist Sache G o t t e s und nicht der Menschen. Sie ist den Menschen entzogen. Wie übel die Rache wütet, präsentieren beiden Rache-Kurzopern Cavalleria rusticana und Der Bajazzo sehen. Herrliche Musik, furchtbare Handlung! – Gott geht es um Hilfe für sein Volk, Beendigung seiner Unterdrückung, Wiederherstellung der Ordnung. Dazu gehört, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden

Was Jesus davon in die Tat umsetzt…

Eine Tages wollte Johannes der Täufer von ihm wissen: „Bist du es, der da kommen soll oder sollen wir auf einen andern warten?“ (Mt.11,3) Bist du der von mir so heiß ersehnte Retter Israels? Persönlich konnte er nicht erscheinen, er war wegen Majestätsbeleidigung inhaftiert. Deshalb schickte er Boten.

Was tut Jesus? Er zeigt auf gerade vorhin noch Blinde, Gehbehinderte, Aussätzige und Stumme: „Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt.“ (Mt. 11,4f.)

Offenbar lebte Jesus in der Erwartung, die der Prophet begründet hatte, und setzte sie ansatzweise in die Tat um. Man erzählte besonders von

  • sieben Blinden, darunter Bartimäus,
  • dem Gelähmten, den seine Freunde vom Dach ins Haus herunterließen,
  • zehn Aussätzigen,
  • einem Taubstummen, dem Jesus „Hefata, tu dich auf“ (Mk 7,34) zurief,
  • der Tochter des Jairus und dem Jüngling zu Nain.

In unserer Kirche hängt links in der Apsis eine Ikone mit der Verklärung Christi. Der Prophet kündete das Erscheinen der Herrlichkeit Gottes an. Auf dem Berg Tabor durchdrang Jesus dieses Licht: „sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht“ (Mt 17,2). In ihm scheint die Herrlichkeit Gottes auf, er ist das Reich Gottes in Person.

Was uns zuteil wird…

Jesus sorgte dafür, dass seine Gemeinde die Erwartung teilt, in der er lebte. Mit der Bitte „Dein Reich komme.“ lenkt er immerfort unseren Blick auf die letzte Zukunft des Advents Gottes, wie sie der Prophet angekündigt hat. Und auf das, was Gottes Ankunft vorausgeht inmitten unserer von Kriegen, Hunger, Ungerechtigkeit und Krankheiten gezeichneten Welt. „Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.“

Jesus erzeugt dadurch eine Grundhoffnung, in dieser Welt nicht zu verzweifeln. „Es kommt eine Zeit, in der Träume sich erfüllen.“ Eine Hoffnung, die beflügelt und stärkt, die Kraft, Mut und Zuversicht spendet. Wie ein unsichtbarer Schirm, der uns schützt. Wie ein Lichtschein, der unser Leben aufhellt, so dass sich die Fesseln des Leibes und der Seele lösen. Für jede Not hat Gott eine Hilfe bereit, bis sein Reich anbricht und es keine Not mehr geben wird.

Was mit Jerusalem geschah..

Vor 70 Jahren wurde der Staat Israel gegründet. Meine Frau und ich waren im vorigen Jahr eine Woche in Jerusalem. Wie verfahren die Lage politisch ist, spürt man daran, dass rundum Soldatinnen und Soldaten in voller Montur unterwegs zu ihrem Dienst oder zurück ins Quartier waren. Aber es besteht auch ein facettenreiches, alltägliches Großstadtleben und ernsthafte Frömmigkeit.

Die Worte des Propheten wurden ansatzweise verwirklicht:

  • Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen: Juden sind wieder in Jerusalem zu Hause!
  • Sammle uns insgesamt von den vier Enden der Erde (Achtzehnbittengebet, Bitte 10):Aus der Zerstreuung sind Juden nach Israel zurückgekehrt!
  • Nach deiner Stadt Jerusalem kehre in Erbarmen zurück (Achtzehnbittengebet, Bitte 14): Für Gott und sein Volk ist wieder Raum in Jerusalem!
  • Bringe den Dienst wieder in das Heiligtum deines Hauses (Achtzehnbittengebet, Bitte 17): Der Dienst am Heiligtum in heutiger Form ist das Gebet an der Klagemauer
Was in der Wüste geschah…

Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande.

Ein Fünftel der Weltproduktion von Joboba-Öl – eine überschaubare Menge, aber immerhin! – kommt aus der Wüste Negev. Aus den Jobo-Plantagen des Kibbuz Hatzerim. 100 ml kosten 8,90€ Es ist geeignet für Haut, Haare und Massagen. Dafür angepflanzt wurde der anspruchslose, hitzebeständige, immergrüne Jobabaum („wilde Haselnuss“) aus Arizona. Er wird ungefähr zwei Meter groß. Dank Tröpfchenbewässerung über Pipelines vom See Genezaret. Seine erdnussähnlichen Samen enthalten das kostbare Öl. Die Wüste blüht. Inzwischen sind Plantagen von Dattelbäumen und Mandelbäumen hinzugekommen – auch in Jordanien. Die Wüste blüht!

Ich komme zum Schluss


Advent – Gottes Ankunft in der Welt: Seine Ewigkeit tritt in die Zeit ein, seine Herrlichkeit durchdringt die irdische Wirklichkeit und heilt Mensch und Natur. Von dort her sind sie in allem Zeitlichen, was dieser Zukunft vorausgeht, schöpferisch gegenwärtig. – 

Insbesondere in dem…
…was Jesus in die Tat umsetzte und in ihm selbst
….was uns zuteil wird
….was mit Jerusalem und in der Wüste geschah.

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