Die Taufe: Ein Sakrament des Neuanfangs

16) Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17) Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

18) Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28,28-20)

 Plötzlich war sie wieder da – die Taufe!

Geraume Zeit nach der Hinrichtung Johannes des Täufers wurde wieder getauft. Diesmal nicht am Jordan, sondern in Jerusalem. An jenem denkwürdigen 50. Tag nach dem Passafest, an dem Petrus vom Heiligen Geist durchdrungen seine erste öffentliche Predigt gehalten hatte. Seine Worte gingen der Menge durchs Herz. „Was sollen wir tun?“, wollten sie wissen. Seine Antwort:Lasset euch taufen!“ Damit war die Taufe in der Welt.

3000 Leute wurden an jenem 50. Tag getauft, den wir heute „Pfingsten“ nennen. In Jerusalem: Juden. In Samarien: Samaritaner. Mit den Taufen eines Äthiopiers und eines Römers wurde die Grenze zu den nichtjüdischen Völkern übersprungen. Seitdem durchflutet die Taufe den Erdkreis.

Christsein beginnt mit der Taufe. Die Taufe ist das Sakrament des Anfangs.

Wie kam Petrus auf die Taufe?

Es war kein spontaner Einfall, auch kein Nachhall des Täufers. Petrus wusste sich von Jesus beauftragt. Im letzten Kapitel des Matthäusevangeliums wird das geschildert. Zum Abschluss seiner irdischen Sichtbarkeit erschien der Auferstandene den verbliebenen elf Jüngern auf einem von ihm vorher benannten Berg in Galiläa. Alle fielen vor ihm nieder, wie man das nur vor Gott zu tun pflegt. Eine beeindruckende Geste der absoluten Anerkennung. Sie spürten, dass Jesus von nun an eine herausgehobene Position einnimmt. „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Er ist der Herrscher über das All, der Kyrios. Ihn rufen wir an, wenn wir im Gottesdienst singen und beten: „Kyrie eleison“, „Herr erbarme dich“.

Sichtbar wird die Schlüsselstellung Jesu für das Schicksal der Welt, wenn alle Völker vor seinem Thron erscheinen werden. Paulus schreibt: „Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, sei es gut oder böse.“ (2. Kor 5,10)

Das apostolische Glaubensbekenntnis hält dazu fest:

Er sitzt zur Rechten Gottes
des allmächtigen Vaters,
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.“

Aber schon jetzt ist es empfehlenswert, sich ihm zu unterstellen. Jesus sendet die Elf zu allen Völkern um Männer und Frauen: Verehrer – Getreue – Schüler – Mitstreiter – Brüder und Schwestern – für ihn zu gewinnen: „Machet zu Jüngern alle Völker!“

Die Jüngerschaft, wie sie Jesus vorschwebt, hat eine persönliche Seite, die Taufe, und eine gemeinschaftliche Seite, die Lehre. „Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“

Im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte wird berichtet, wie der Auftrag Jesu erstmalig in der Urgemeinde in Jerusalem umgesetzt wurde.

Die Taufe

Die vollständige Antwort des Petrus auf die Frage: „Was sollen wir tun?“ enthält vier Stücke: die Umkehr, das Wasser, den Namen, und die Heils-Gabe.

Tut Buße (d.h. kehrt um) und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“ (Apg 2 38)

Umkehr

Die Taufe veranlasste Römer und Griechen zur Abkehr von ihren Göttern. So wird das erste Gebot „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ erfüllt. Diese Abkehr erstreckt sich auf alles, was in vergleichbarer Weise Zeit und Kraft in Anspruch nimmt wie die alten Götter, alles, was mich süchtig macht, alles, wonach ich mich verzehre, alles, was mich total in Beschlag nimmt.

Die Neuausrichtung des Lebens auf Jesus hin bedeutet auch eine Öffnung des enormen Strebens nach Ich-Genuss und Selbstverwirklichung durch den Blick auf die Bedürfnisse des Nächsten und den Willen Gottes. „Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“

Das Wasser

Die Jüngerschaft beginnt mit der Taufe, einem Reinigungsbad: Man steigt in ein Gewässer, taucht unter oder wird übergossen. Wie der spezielle Weg Jesu einst mit der Taufe begann, so beginnt der Weg eines Jüngers mit Jesus ebenfalls mit der Taufe.

Bei der Taufe Jesu floss viel Wasser. Ein sprechendes Zeichen dafür ist, die Verwendung einer Taufkanne oder einer Taufmuschel im Taufgottesdienst. Mit beidem kann kräftig gegossen werden.

Der Name

Diese Taufe wird im Namen Jesu Christi (so in der Apostelgeschichte) oder im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit (so im Matthäusevangelium) vollzogen. Damit wird der Täufling Jesus Christus als Bruder oder Schwester oder Gott, dem Vater, als Sohn oder Tochter übereignet, steht unter seinem Schutz und unter seiner Leitung. „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

In der ersten Zeit waren es Erwachsene, die zur Taufe kamen. Dann bildete sich die Überzeugung heraus: Das beste, was wir unserem Kind mitgeben können, ist die Übereignung an Jesus. Seitdem gibt es die Kindertaufe.

Die Heils-Gabe

Die Taufe bringt etwas in die Welt, das ihr fehlt, das sie braucht und das ihr gut tut: Vergebung der Sünden, Frieden mit Gott und die Verheißung des Heiligen Geistes.

Gestern taufte ich einen Säugling in unserer schönen Taufkapelle. Es fiel mir schwer, dabei an die „Vergebung der Sünden“ zu denken. Was sollte ihm vergeben werden? –

Aufschlussreich dafür ist ein Blick auf den jüdischen Hintergrund unseres Glaubens. Das Alte Testament ist davon durchdrungen, dass der Mensch nie mit Gott auf gleichem Fuße verkehrt. Stets ist er bereit, sich vor Gott zu demütigen und zu beten:„Siehe, ich bin als Sünder geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.“ (Ps 51,7) Und: „Errette mich aus aller meiner Sünde.“ (Ps 39,9)

Die Taufe eröffnet ein intaktes Gottesverhältnis. Sie ist ein Zeichen der Nähe Gottes.

Die Lehre

Der neue Glaube ist ein zartes Pflänzchen; das gutes Erdreich mit allen wichtigen Nährstoffen braucht. Dann wächst es zu einem Baum heran, „gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht“ (Ps 1,3). Die neu Getauften des Pfingsttages blieben zusammen und lebten gemeinsam die Verbundenheit mit Jesus Christus :

Sie blieben aber beständig
in der Lehre der Apostel,
in der Gemeinschaft,
im Brotbrechen und
im Gebet.“ (Apg 2, 42)

Die Gemeinde bietet ein glaubensförderndes Umfeld in einer anders gepolten Gesellschaft – damals wie heute. Ein Ort der Lehre, der Gemeinschaft, der Begegnung mit Christus im Heiligen Abendmahl und des Gebets. In ihr blüht die Jüngerschaft auf. Ohne Verbindung mit ihr verkümmert sie. Vieles nagt an ihr: Einsamkeit, Anfechtungen, Zweifel, Versuchungen oder Spott über Religion und Glauben.

Dazu ein Beispiel

Am katholischen Feiertag Fronleichnam, dem 15. Juni, übertrug die ARD im Abendprogramm unter dem Titel „Nuhr daran glauben“ aus einer ehemaligen neuapostolischen Kirche, dem Asanta-Haus in Berlin, einen Beitrag des RBB zu der eigentlich seriös-informativ angelegten Reihe „Was glauben die Deutschen?“ 45 Minuten lang ätzte Dieter Nuhr gegen die Religion, anders kann man es nicht nennen.

Die Quintessenz:
Glaube ist, wenn man nix weiß, sich aber trotzdem sicher ist. Kompletter Irrsinn also, etwas für Trottel.

Gestützt wurde das mit dem islamischen Terrorismus: Nur ein Trottel glaubt, Gott will, dass ich mich in die Luft sprenge.

Hässlich, die Verallgemeinerung: Nur die Anzahl der  Gläubigen unterscheidet den Irrsinn von Religion.

Wenn man einem einzelnen auf den Kopf zusagt: „Das ist Irrsinn, was du glaubst!, geht das durch. Bei einer Religion, der viele Gläubige angehören, muss sich der Satiriker in Acht nehmen, nicht wegen „Verletzung religiöser Gefühle“ belangt zu werden. (Bei Nuhrs Sendung war davon nichts zu spüren.)

Nun warf er alles Mögliche zusammen in einen großen Topf: den religiösen Wahn, den Nationalsozialismus, Missionierung und Massakrierung, die Schöpfungsgeschichte, die biblischen Wunder und die Auferstehung. Alles sei ebenso verrückt wie der äußerst verrückte Rat eines chinesischen Heilers. Als Nuhr in China eine Bronchitis erwischt hatte, meinte dieser  nämlich: Fangen Sie einen Schneefrosch, reißen Sie ihm das Maul auf und husten Sie dreimal kräftig hinein. Dann werfen Sie den Frosch weg. Er wird den Husten mitnehmen.

Am liebten hätte ich dazwischen gerufen: Als ob es Irrsinn nur in der Religion gibt!? Irrsinn gibt es auch in der Politik, in der Wirtschaft, in der Verwaltung, in den Medien… Wo eigentlich nicht? Irrsinn gibt es überall, wo es Menschen gibt!

Als ob es in der Religion nicht auch ernsthaft zugeht!? Wird dort nicht auch ernsthaft gebetet, ernsthaft gedacht und verantwortungsvoll gelebt? Hat das nicht gerade das Christentum die Welt soweit entzaubert, dass dadurch exaktes Forschen möglich wurde?

Mit 45 ärgerlichen Minuten Nuhr sollte das Thema für uns nicht abgetan ein. Das beweisbares Wissen sich nicht mit irgendeinem „Glauben“ verträgt, ist eine verbreitete Ansicht. Sie stellt uns vor die Aufgabe, unseren Glauben klarer zu erfassen und besser zu artikulieren. Für einen persönlich gefestigten, sprachfähigen und intellektuell verantworteten, christlichen Glauben braucht man die Gemeinschaft Gleichgesinnter. Deshalb ist es folgerichtig, dass der Weg von der Taufe direkt in die Gemeinde führt – damals am Pfingsttag ebenso wie heute.

Ich komme zum Schluss

  • Christsein beginnt mit der Taufe. Sie ist das Sakrament des Anfangs. So wie der spezielle Weg Jesu mit der Taufe begann, beginnt auch der Weg des Jüngers mit der Taufe.
  • Christ bleibt man in der Gemeinde. Als Ort der Lehre, der Gemeinschaft, der Begegnung mit Christus und des Gebets betet sie ein glaubensförderndes Umfeld in einer anders gepolten Gesellschaft.
  • Mit politischer Satire werden wir von ARD und ZDF üppig versorgt. Irgendwo läuft immer etwas, in Echtzeit oder als Wiederholung. „Wohl dem“, der nicht „sitzt, wo die Spötter sitzen“ (Ps 1,1), sagt die Bibel. Ein fairer Umgang miteinander erreicht mehr und entspricht dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

 

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