„Unterdrückt nicht das Wirken des Heiligen Geistes. Verachtet nicht die Weisungen, die er euch gibt.“(1. Thess 5,18)
Wodurch wird das Wirken des Heiligen Geistes unterdrückt? Wie geben wir seinen Weisungen Raum?
Ich möchte dazu auf ein Dokument aus der neueren deutschen Kirchengeschichte zurückgreifen. Fünf Monate nach dem Ende des Krieges im Oktober 1945 wurde Deutschland wieder in die Weltchristenheit aufgenommen. Ungeachtet der Proteste in ihren Heimatländern reichten Vertreter aus der protestantischen Ökumene den Mitgliedern des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland erstmals wieder die Hand. Darunter waren Bischof Otto Dibelius sowie der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann.Vorausgegangen war ein Akt der Reue.
Das Stuttgarter Schuldbekenntnis:
„Mit großem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. Was wir unseren Gemeinden oft bezeugt haben, das sprechen wir jetzt im Namen der ganzen Kirche aus: Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“
Das Schuldbekenntnis schließt mit der Bitte um den Heiligen Geist: „So bitten wir in dieser Stunde, in der die ganze Welt einen neuen Anfang braucht: veni creator spiritus!“ Komm Heiliger Geist!
68 Jahre nach Krieg und Gewaltherrschaft hat sich in Deutschland viel zum Guten verändert. Anders als in Korea, das noch immer geteilt ist, und wo Kim Jong-un mit Krieg droht, ist 1989 die Mauer gefallen, die Deutschland teilte.
Wo dem Heiligen Geist Raum gegeben wird, schenkt er, dass wir mutiger bekennen, treuer beten, fröhlicher glauben und brennender lieben.
Lasst uns heute in diesem Sinne um den Heiligen Geist bitten:
Heiliger Geist, komm uns zu Hilfe, lass uns mutiger bekennen!
„Seid immer bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn jemand fragt, warum ihr so von Hoffnung erfüllt seid.“(1. Petr 3,15)
Das Fernsehen präsentiert ständig Lifestyle-Themen. Von der Geschlechtsumwandlung („Ich war eine Frau und bin nun ein Mann.“) über die Schönheitsoperation bis hin zu veganem Essen. Auch nichtchristlich-religiöses Leben wird bestaunt: „Ich bin Muslima geworden“, „Die Weisheit der Aboriginees“.
Wenn es um gelingendes Leben aus dem christlichen Glauben geht, herrscht auf allen Kanälen die ganze Woche lang Sendepause. Viele Christen stecken deshalb in einer Schweigespirale. Wir haben uns daran gewöhnt, nichts von uns zu erzählen und den Erfahrungen anderer zu lauschen.
Doch: Was tun junge Eltern, wenn ihr Vierjähriger sie fragt: „Gibt es Gott?“ „Wo ist der Himmel?“ Werden sie kneifen? Oder halten sie es mit Mose: „Wenn dich dein Sohn fragen wird: Was bedeutet das? Sollst du ihm sagen“… und dann folgt die Erklärung des Passafestes (2. Mose 13,14). Heiliger Geist, schenke uns Eltern, die ihren Kindern den Glauben nahebringen!
Rückenstärkung gibt die Predigt des Petrus am Pfingsttag: „Alle Menschen in Israel sollen also an dem, was sie hier sehen und hören, mit Gewissheit erkennen: Gott hat diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht.“(Apg 2,36 Die Gute Nachricht) Die Auferstehung Jesu Christi war nicht seine Privatsache, sondern ein Ereignis von öffentlicher Bedeutung für alle Völker der Welt.
Ein Herr aus unserer Gemeinde berichtete: „Ich erhielt einen komischen Ostergruß. Eine Postkarte mit vier Schokoladenosterhasen und der Zeile: ‚Fröhliche Wiedergeburt als Weihnachtsmänner!‘ Meine Antwort: ‚Ich glaube an etwas anderes. Nicht an die Wiedergeburt. Sondern an die Auferstehung!“
Heiliger Geist, komm uns zu Hilfe, lass uns treuer beten!
„Betet unablässig“ (1.Thess 5,17).
„Vergiss deine Gebete nicht!“, so verabschiedete einst die fromme Mutter ihren Sohn, wenn er das Elternhaus verließ. „Vergiss deine Gebete nicht!“ Tag für Tag, Abend für Abend. Bleibe eine treue Beterin, ein treuer Beter! Die Gottvergessenheit greift um sich. Man lebt im Alltag so, als ob es Gott nicht gäbe. Was kann da helfen? – Das Gebet! Das Gebet ist so wichtig, wie die Luft, die wir atmen, das Brot, das wir essen, das Wasser, das wir trinken.
- Betend werden wir mit Gottes Willen eins, auch wenn wir ihn nicht immer verstehen.
- Betend bleiben wir bei ungelösten Fragen gelassen: Gott wird lösen, was wir nicht lösen können.
- Betend nehmen wir alles aus der Hand Gottes.
- Betend erkennen wir die Fügungen Gottes in unserem Leben und achten auf seine Winke.
„Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“, heißt es bei der kirchlichen Trauung. Ich frage dann das Brautpaar: Wie seht ihr das? Könnt ihr das so sagen, ‚Gott hat uns zusammengefügt?‚
Wie ist das mit den Führungen Gottes in eurem Leben? Heiliger Geist, schenke uns offene Augen für dein Wirken!
Heiliger Geist, komm uns zu Hilfe, lass uns fröhlicher glauben!
„Die neue Welt Gottes ist mit einem Schatz zu vergleichen, der in einen Acker vergraben war: Ein Mensch fand ihn und deckte ihn schnell wieder zu. In seiner Freude verkaufte er alles, was er hatte, und kaufte dafür den Acker mit dem Schatz.“(Mt 13,44f.)
Unsere Religion ist keine dürre Formelsammlung, sondern eine Schatzkammer! Der Schatz ist Jesus Christus. Die Begegnung mit ihm, dem auferstandenen Herrn, ist ein umwandelndes Freudenerlebnis. Ein Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist. „Wenn ich nur dich habe, frage ich nicht nach Himmel und Erde.“(Ps 73,25) „Geborgenheit im Letzten gibt Gelassenheit im Vorletzten.“(Romano Guardini). In ihr ist kein Platz für Nervosität oder Verzagtheit. Kleinkrämerische Verbissenheit weicht freundlicher Nachsicht mit fremden und eigenen Fehlern.
Heiliger Geist, komm uns zu Hilfe, lass uns brennender lieben!
„Einer trage des Anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“(Gal 6,2)
Ein jeder hat sein Päckchen zu tragen, so sagt man. Jeder steht vor einem Berg von Aufgaben, die er tagaus tagein zu bewältigen hat. Und doch gibt es Menschen mit dem Blick für die, die in Not sind.
Da ist die betagte Nachbarin. Sie kann das Haus nicht mehr verlassen: Die Hausgemeinschaft versorgt sie mit Lebensmitteln, hilft beim Kochen und leistet erste Hilfe bei einem Unfall.
Da ist die Sozialarbeiterin im Ruhestand. Im Namen der Kirchengemeinde gratuliert sie Menschen zum Geburtstag. Wo es nötig ist, belässt sie es nicht bei einem Besuch, sondern kümmert sich auch um Sorgen und Krankheit.
Neulich hörte ich: „Als wir als Jugendliche ins Rote Kreuz eintraten, wurde uns das Abzeichen mit dem roten Kreuz auf weißem Grund verliehen: „Wer dieses Zeichen trägt, ist verpflichtet, jedem, der Hilfe braucht, zu helfen.“ Auch hier wirkt der Heilige Geist der Nächstenliebe!
Ich komme zum Schluss.
Jesus hat sich Jünger und Jüngerinnen als Salz der Erde und Licht der Welt gewünscht. Pfingstliche Menschen werden den Heiligen Geist nicht blockieren, sondern darum bitten: mutiger zu bekennen, treuer zu beten, fröhlicher zu glauben und brennender zu lieben.
„Unterdrückt nicht das Wirken des Heiligen Geistes. Verachtet nicht die Weisungen, die er euch gibt.“( 1.Thess 5,18f.)
Er wird diese Bitten nicht unerhört lassen!
Der Gottesdienst wurde zusammen mit der koreanischen Banseok (Felsen) – Gemeinde gefeiert.
