Das Zitat des Tages
„Karoline Herfurth will nicht ewig leben“, stand am 21. September 2016 im Internet und in den vermischten Meldungen der Zeitung als „Zitat des Tages“. Ich finde es wichtig, dass wir heute am Ewigkeitssonntag auch diese Gegenstimme berücksichtigen.
Karoline Herfurth, 32 Jahre jung, ist eine gefragte Schauspielerin. Sie wurde einem großen jugendlichen Publikum durch die beiden sehr erfolgreichen „Fack ju Göthe“ Schulfilme bekannt, in denen sie die weibliche Hauptrolle spielte. Das Zitat des Tages stammt aus einem Interview. Dort antwortete sie: „Welche Sehnsucht mir fremd ist? Die nach Unsterblichkeit! Obwohl ich Angst vor dem Tod habe, das Älterwerden nicht leicht finde, würde ich nicht für immer jung sein wollen. Klar ich hätte gern mehr Zeit. Aber wenn wir ewig leben würden, wäre jeder Genuss fad.“
„Ewiges Leben“ wird beiseite geschoben: zu fade, endlos langweilig, tödlich für Spaß und Genuss. Nichts für junge Leute. Was taugt ein „ewiges Leben“, in dem wir uns doch nur zu Tode langweilen würden? Karoline Herfurth steht mit dieser Meinung nicht allein. Rufen wir uns nur den Münchner von Ludwig Thoma in Erinnerung, der sich im Himmel nach dem Hofbräuhaus sehnt.
Was sagt uns der Predigttext des Ewigkeitssonntags über das ewige Leben? Wird er Karoline Herfurths Eindruck bestätigen? – Er handelt von den Eingebungen des Sehers Johannes auf der Insel Patmos, Offbg 21,1-7. Johannes hat gesehen, was kein Auge je gesehen hat (21,1f.). Johannes hat gehört, was kein Ohr je gehört hat (21,3f.). Und er wurde angewiesen, alles aufzuschreiben, damit wir es lesen und bedenken können (21,5).
Hier das Zitat des heutigen Sonntags:
1) Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde;
denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen,
und das Meer ist nicht mehr.
2) Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem,
von Gott aus dem Himmel herabkommen,
bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.
3) Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach:
Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
Und er wird bei ihnen wohnen,
und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;
4) und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein,
noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein;
denn das Erste ist vergangen.
5) Und der auf dem Thron saß sprach: Siehe, ich mache alles neu!
Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!
6) Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O,
der Anfang und das Ende.
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
7) Wer überwindet, der wird es alles ererben,
und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein. (Offb 21,1-7)
Johannes hört, dass weinende Menschen, deren Tränen in der Weltgeschichte keine Rolle spielten, von Gott, dem himmlischen Vater selbst, wieder aufgerichtet werden.
- Es wird kein Leid mehr geben! – verspricht er den Erniedrigten, Beleidigten und Ausgebeuteten.
- Es wird keinen Grund zum Klagegeschrei mehr geben! – schwört er den Gequälten, Gefolterten, den Opfern der Bomben in Aleppo.
- Es wird keine Schmerzen mehr geben! – versichert er den Kranken.
- Es wird es keinen Tod mehr geben! – gelobt er den Eltern, die Kinder für einen frühen Tod zeugten.
- Johannes hört, wie Gott, der himmlische Vater, sich denen zuwendet, die unter seiner Verborgenheit litten. Von nun an werde ich bei euch wohnen und mit euch sein. Nichts wird uns mehr trennen! – gilt allen, die sich nach Gott sehnten, auf ihn hofften, nach ihm schrieen.
- Nun werdet ihr endlich mein einiges Volk sein!– zielt auf die in über hundert Partikularkirchen gespaltene Christenheit.
- Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst, – richtet sich an Menschen, die nach glaubensstärkender Verkündigung dürsten.
- Wer überwindet, der wird es alles ererben! – betrifft alle, die in Treue zu Christus Verfolgungen widerstanden haben.
- Vielleicht hört Johannes auch dieses Wort wieder, mit dem Gott sich der Tierwelt zuwendet, in der es grausam zugeht: Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind (Jesaja 65,25).
„Ewiges Leben“ – endlos langweilig?
Unser Predigttext vom heutigen Ewigkeitssonntag bestätigt den tristen Eindruck nicht, den Karoline Herfurth vom ewigen Leben hat. Keinerlei Hinweis auf ewig junge Menschen, denen jeder Genuss fad ist, oder einen Münchner, der sich nach dem Hofbräuhaus und seiner Weißwurst sehnt.
Dafür gibt es drei Gründe:
Ewiges Leben bedeutet Vollendung
„Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten,“ dieser Vers aus dem Ps 126,5 trifft die gemeinte Stimmungslage. Angesprochen werden nicht die Saturierten und Erfolgsverwöhnten, sondern diejenigen, denen das Leben etwas schuldig geblieben ist. Die mehr tragen mussten als andere. Menschen, durch deren Leben aus verschiedenen Gründen ein bleibender schmerzhafter Riss geht.
Jetzt ist die Zeit, in der mit Tränen gesät und unter Weinen gepflanzt werden muss. In Gottes Zukunft werden sie mit Jubel eine überreiche Ernte feiern. Was kaputt gegangen ist, wird vollendet, was sich wund gerieben hat, wird geheilt, was unerledigt geblieben ist, wird erfüllt, wo Tränen waren, wird Freude sein.
Das ewige Leben hat sein eigenes Zeitmaß
Der Eindruck, dass ein ewiges Leben nur unendlich langweiliges sein kann, steht und fällt mit unserer Sprache. Das Wort „ewig“ ist nun einmal gleichbedeutend mit „endlos“. Dementsprechend gelangt man vom „ewigen Leben“ sofort zum endlos langen Leben, einer Zeitstrecke mit unzähligen Tagen, Wochen, Monaten, Jahren. Logisch, dass nicht nur junge Leute anfangen, zu grübeln: Was geht da ab? Womit soll man die unerschöpflich lange Zeit verbringen?
Die Zeit als Zeitstrecke, als vergehende, fließende, zerrinnende Zeit ist ein Bestandteil unserer alten Welt und wird mit ihr vergehen. Das biblische Bild für Gottes Ewigkeit ist die heilige Stadt, das neue Jerusalem, unter dem neuen Himmel auf der neuen Erde, das ausschließlich von Gottes Lichtglanz erleuchtet wird.
„Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, dass sie scheinen, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie.“(Offb 22,23) – Halten wir fest, Sonne und Mond werden nicht mehr scheinen! Damit entfällt die Berechnungsgrundlage für das Jahr und den Monat. Die irdische Zeitrechnung wird aufgehoben in die Fülle der Zeit Gottes.
Außer sich sein vor Freude
1) Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde;
denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen,
und das Meer ist nicht mehr .
Auch das Wort „Leben“ erhält einen neuen Sinn. Das irdische Leben von Mensch und Tier wird durch das Auf und Ab von Plus und Minus, Gut und Böse, Licht und Finsternis, Frieden und Krieg, Freud und Leid, Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut, Macht und Ohnmacht, Leben und Tod,Fressen und Gefressenwerden bestimmt. Leben bedeutet immer auch Leiden! Anderen Leid zufügen, selbst Leid ertragen müssen.
Unter dem neuen Himmel auf der neuen Erde in der heiligen Stadt, dem neuen Jerusalem, wird es dieses Auf und Ab nicht mehr geben. Das Leben der alten Welt wird dort nicht bei besserem Wetter und mehr Freizeit fortgesetzt. Es wird sich ein grundlegender Wandel vollziehen. Darauf weist die seltsame Bemerkung hin: „…das Meer ist nicht mehr“. Das Meer steht hier – nicht für die schöne Ostsee, sondern – für die die Erde in vielfältiger Weise bedrohende Unheilsmacht, die immer wieder Gut in Böse, Freude in Leid, Frieden in Krieg und Leben in Tod ummodelt. Gottes neue Welt ist eine Welt ohne Zerrissenheit, ohne Kampf und ohne Qual.
Gottes neue Welt wird von Menschen bewohnt, die außer sich sind vor Freude an Gott, ihren Mitmenschen und allen Geschöpfen. Das ewige Leben ist vollkommener Zustand, der nicht mehr zurückgedreht oder gesteigert werden kann. Die Frage: „Womit verbringe ich meine Zeit?“ ist da überholt.
Ich komme zum Schluss
Ich finde es wichtig, dass wir – die christliche Gemeinde – wissen: Unsere Hoffnung auf das ewige Leben ist nicht selbstverständlich. Manch einer hält ein „ewiges Leben“ für Unsinn und kann sich dabei auf den alltäglichen Sprachgebrauch berufen. Vielleicht würde er es sich noch einmal durch den Kopf gehen lassen, wenn er wüsste, dass die Bibel darunter keine endlose Zeitstrecke, sondern eine durch und durch erfüllte Zeit versteht.
Die Hoffnung auf das ewige Leben in diesem Sinne ist ein Schatz, den man jedem nur von Herzen wünschen kann. Unser Leben wird ein anderes, wenn wir auf auf das grenzenlose Glück unter einem neuen Himmel auf einer neuen Erde im neuen Jerusalem hoffen. Es gewinnt dadurch Tiefe und Zuversicht:
Gottes Wille wird geschehen!
Sein Reich wird kommen!
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