Der Weg zum Glauben: Hören, Bekenntnis und Gemeinschaft

9)Wenn ihr also mit dem Mund bekennt: „Jesus ist der Herr“, und im Herzen glaubt, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, werdet ihr gerettet. 10)Wer mit dem Herzen glaubt, wird von Gott als gerecht anerkannt; und wer mit dem Mund bekennt, wird im letzten Gericht gerettet. 11)So steht es ja in den Heiligen Schriften: „Wer ihm glaubt und auf ihn vertraut, wird nicht zugrunde gehen.“ 12)Das gilt ohne Unterschied für Juden und Nichtjuden. Sie alle haben einen und denselben Herrn: Jesus Christus. Aus seinem Reichtum schenkt er allen, die sich zu ihm als ihrem Herrn bekennen, ewiges Leben. 13) Es heißt ja auch: „Alle, die sich zum Herrn bekennen und seinen Namen anrufen, werden gerettet.“

14)Sie können sich aber nur zu ihm bekennen, wenn sie vorher zum Glauben gekommen sind. Und sie können nur zum Glauben kommen, wenn sie die Botschaft gehört haben. Die Botschaft aber können sie nur hören, wenn sie ihnen verkündet worden ist. 15)Und sie kann ihnen nur verkündigt werden, wenn Boten mit der Botschaft ausgesandt worden sind.

Aber genau das ist geschehen! Es ist eingetroffen, was vorausgesagt war: „Welche Freude ist es, wenn die Boten kommen und die Gute Nachricht bringen!“ 16)Doch nicht alle sind dem Ruf der Guten Nachricht gefolgt. Schon der Prophet Jesaja sagt: „Herr, wer hat schon unserer Botschaft Glauben geschenkt?“ 17)Der Glaube kommt also aus dem Hören der Botschaft; die Botschaft gründet in dem Auftrag, den Christus gegeben hat.“ (Röm 10,9-17)

Mag eine Kirche für den Kulturwissenschaftler ein „Repräsentationsort von Erinnerungen“ – auf gut Deutsch: Ein Museum – sein. Beachtet man, was sich in ihr abspielt, trifft es besser sie Anbetungsort zu nennen. In ihr wird mit dem Munde bekannt, mit dem Herzen geglaubt und Jesus als der Christus oder der Kyrios angerufen. Wie wir es heute in diesem Gottesdienst tun.

Wie finde ich heraus, dass eine Kirche für mich kein Museum ist? Wie sind Sie, liebe Schwestern und Brüder, zu diesem Anbetungsort gelangt? Was hat sie bewogen, sich unserer Gemeinde anzuschließen? Darum geht es heute: Woher kommt der Glaube?

Die Botschaft

Die Antwort des Paulus: „Der Glaube kommt aus dem Hören der Botschaft!“

An erster Stelle steht die Botschaft. Deshalb wird im Gottesdienst von der Kanzel ein Predigttext verlesen. Als der Predigt vorgegebene Botschaft, um die es an diesem Sonntag gehen soll.

Paulus umreißt die christliche Botschaft in einem genialen Bogen:

  • Sie kommt aus der Vergangenheit. Ihr geschichtliches Fundament ist die Auferstehung Jesu Christi.
  • Sie qualifiziert die Gegenwart durch den Eintritt Jesu Christi in meinem Leben.
  • Sie erwartet in der Zukunft Rettung, Heil und ewiges Leben. Es ist eine Frohe Botschaft

Eine rundum Frohe Botschaft, eine Gute Nachricht, eben Evangelium! Wie kamen Sie mit der Frohen Botschaft in Berührung?

Bei mir war es in einer Vertretungsstunde in der 10. oder 11. Klasse. Durch die Tür kam der Religionslehrer, und wie üblich wurde etwas vorgelesen. In diesem Fall eine Predigt von Helmut Thielicke (1908-1986) über den „verlorenen Sohn“, die mich stark ansprach. Nach und nach kaufte ich Thielickes Predigtbände und zehrte davon, besonders von seiner Auslegung des Glaubensbekenntnisses.

Meine Frau liebte als Kind das Buch „Schild des Glaubens“ mit seinen einprägsamen schwarz-weiß Bildern. Aus ihm wurde vorgelesen. Sie besuchte gern den Konfirmandenunterricht. Er wurde von einer Pfarrerin gehalten. Das war in den 60ern etwas Besonders.

Der Bote

Vermutlich dachte Paulus hier an sich selbst. Dazu hatte er allen Grund: Er wusste sich von Christus selbst ausgesandt. Davon zeugte der ihm auf den Leib geschneiderte Titel „Apostel“ von dem griechischen Verb apostellein – aussenden abgeleitet. Als Bote Jesu Christi war er sein Leben lang im Dienste des Evangeliums unterwegs.

Der Bote steht mit seiner ganzen Person für die Botschaft ein. Aber er schöpft nicht aus sich selbst. Er ist ihr Überbringer. Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, der er dient. Paulus war da, wo die Menschen sind, mit der Botschaft von Jesus Christus.

Durch ihn mobilisiert und in seine Sendung eingeschlossen, waren zahlreiche Boten und Botinnen, Frauen und Männer, deren Namen wir nicht mehr kennen. Sie sagten mit ihren Worten weiter, was sie sie durch Paulus empfangen hatten. Sie lebten das Evangelium in einer anders gepolten Gesellschaft. Auf diese Weise multiplizierte sich das junge Christentum.

Kommen wir zurück nach Berlin: Wer war für Sie Bote oder Botin des Evangeliums? Ihre Eltern? Ein Freund oder eine Freundin? Über den persönlichen Bereich hinaus gibt es in der Gesellschaft eine breit aufgestellte „Kommunikation des Evangeliums“, wie man heute sagt. Kindergarten, Schule, Krankenhaus, Radio, Fernsehen. Und nun auch im Internet:

„Wir leben in einem digitalen Zeitalter. Das Internet nicht zu nutzen, wäre so, als hätten wir vor fünfhundert Jahren auf den Buchdruck verzichtet und stattdessen per Hand weitergeschrieben,“ so Pfarrer Gunnar Engel (32) aus Wanderup in Schleswig-Holstein.

Seit es auf Instagram, Twitter und Youtube „Gottes-Influencer“gibt, zeigen dort auch Theologiestudenten, Pfarrerinnen und Pfarrer Präsenz. Sie stellen sich persönlich vor, berichten über ihre Arbeit und angesagte Themen. Mit ihren Followern halten sie persönlichen Kontakt.

Beglaubigung

Zum Boten und der Botschaft kommt als Dritter der Hörer. Wie kommt die Botschaft bei ihm an? Was macht er aus ihr? Schon der alte Jesaja klagte: „Herr, wer hat schon unserer Botschaft Glauben geschenkt?“

Der Journalist und Autor Sascha Lobo (44) im Fernehen an seinem roten Hahnenkamm zu erkennen wurde von der Zeitschrift Chrismon gefragt: „Haben Sie eine Vorstellung von Gott?“

„Nein. Ich bin kein religiöser Mensch. Ich habe meine spirituellen Seiten, eine Art Hintergrundrauschen, denn es gibt vieles, das ich nicht begreife: die Größe und Großartigkeit des Universums. Oder die Evolution, die hinter dem Leben steht. Aber ich bin neugierig und will etwas wissen – das ist mein innerster Kern, und er bedeutet letztlich auch Ungewissheit. Wenn der ersetzt würde durch eine Gewissheit des Glaubens, dann wäre ich nicht mehr ich.“

Anders der Maler Norbert Bisky (49). Er überlegt, sich taufen zu lassen: „Ich stamme von Kommunisten ab, wo es andere Arten von Taufe gab, eine andere Religion. Ich bin, glaube ich, ein sehr, sehr religiöser Mensch. Wir leben in einer krassen Zeit, in der viele Konflikte gerade unheimlich an Fahrt aufnehmen“. Kirchen sind seiner Ansicht nach „extrem aktuell und wichtig“ als Orte, wo Leute zusammenkommen und zu kommunizieren versuchen über das, was passiert.

Wie wird man religiös? Wie kommt es, dass sich Menschen der Botschaft öffnen? Es liegt an anregenden Begegnungen, gewiss. Paulus weist von sich weg. Er sieht Jesus Christus selbst dabei am Werk.

In seinem Brief an die Gemeinde in Thessaloniki dankt er dafür, dass seine Verkündigung dort nicht als Menschenwort, sondern als Gottes Wort aufgenommen wurde. (1. Thess 2,13) Seine Worte wurden durch Gott selbst beglaubigt. Daran liegt es, dass sie Menschen berührten und Zustimmung fanden.

Wir verfügen nicht mehr über die herzhaft-fromme Sprache der Bibel. Dass wir die Stimme Christi hören, kommt nicht leicht über unsere Lippen. Mir hat die Idee geholfen:

Unser Leben wird vorwärts gelebt, aber es kann nur in der Rückschau verstanden werden.

Von einem morgendlichen Weckerklingeln zum nächsten sieht man oft vor lauter Bäumen nicht mehr den Wald. Man ist damit beschäftigt, durch die Woche zu navigieren. Aus der Rückschau fällt es mir leichter, Spuren Gottes in meinem Leben zu entdecken. Welchen Einfluss er auf mich hatte und wie er ihn ausgeübte. Dazu gehörte der Weg zum Glauben und das Dabeibleiben. Das beides gelingt ist nicht selbstverständlich.

Bewegung

„Jeder hat seinen Glauben.“, hört man oft, und das stimmt auch. Paulus greift das nicht auf wie das ein Weisheitslehrer tun würde. Ihm geht es darum, Jesus Christus bekannt zu machen. Glaube ist für ihn Glaube an Jesus Christus. Er versetzt in eine Bewegung im Herzen, die den ganzen Menschen ergreift und sein Leben verändert.

„Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über,“(Mt 12, 34b) gilt hier.

Mit dem Herzen glauben

Wer mit dem Herzen glaubt, entdeckt, dass die Auferweckung Jesu Christi von den Toten ist eine Heilstat ist. Der Tod samt all dem Leid, das er mit sich bringt, hat nicht die letzte Macht. Zieht die österliche Freude in das Herz ein, dann spüre ich , wieviel Jesus mir bedeutet, dass er mir lieb und wert ist. Ich kann auf ihn vertrauen, und er lässt mich nicht zugrunde gehen.

Mit dem Mund bekennen

Der Mund spricht aus, wovon ich im Herzen überzeugt bin. Unser Gottedienst ist ein Ort, wo die Sprache des Glaubens gesprochen wird: Das Glaubensbekenntnis ebenso wie verschiedene Anrufungen Jesu Christi.

Ein Beispiel aus dem 1. Jahrhundert:

Kyrie eleison – Herr, erbarme dich, Christe eleison – Christus, erbarme dich, Kyrie eleison -Herr, erbarme dich

Ein Beispiel aus dem 17. Jahrhundert:

Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Herren, Gottes und Marien Sohn, dich will ich lieben, dich will ich ehren, meiner Seele Freud und Kron.

Und ein Beispiel aus Taizé (20. Jahrhundert):

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke mein Licht Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Beisammensein

Zwei im Internet aktive Geistliche bewerten den Gottesdienst unterschiedlich:

Der Pfarrer aus Schleswig-Holstein: „Den Gottesdienst können soziale Medien nicht ersetzen. Gottesdienst ist mehr als eine Predigt, einige Lieder und am Ende ein Amen’“. Genauso wichtig sei das geistliche Geschehen und die Gemeinschaft.

Eine Pfarrerin aus Berlin dagegen, der Gottesdienst stelle für sie nicht mehr das Zentrum der evangelischen Kirche dar. „Gerade Jugendliche brauchen ein ganz anderes Angebot.“ Grundsätzlich glaube sie auch nicht, dass man in die Kirche gehen müsse, um ein Christ zu sein.

Für Paulus stiftet die Zugehörigkeit zu Christus auch eine Zusammengehörigkeit der Christen. Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Munde bekennt, sucht den Austausch mit den Schwestern und Brüdern im Glauben. So traf man sich überall zu gottesdienstlichen Versammlungen mit dem Herrenmahl im Zentrum. Durch das gemeinsame Mahl wurde die Gemeinschaft mit Christus und untereinander intensiviert. Der Gottesdienst ist gewiss nicht der einzige Ort, an dem man zum Glauben kommen kann und wo man Glauben leben kann. Er ist aber für das Christsein unverzichtbar.

Ich komme zum Schluss:

Woher kommt der Glaube? Wie wird die Kirche für mich zu einem Ort der Anbetung? Wie kommt, es dass Menschen religiös sind und die Taufe begehren?

Dazu Paulus:

  • Der Glaube an Jesus kommt aus dem Hören der Botschaft
  • durch Botinnen und Boten, die auf vielen Wegen zu uns unterwegs sind.
  • Sie erreichen uns, sofern sie durch Jesus Christus selbst beglaubigt werden.
  • Wir werden dadurch in eine innere Bewegung versetzt
  • und zu einer gottesdienstlichen Gemeinde zusammengefügt.

Die Kurzfassung fünfmal B:

Botschaft – Bote – Beglaubigung – Bewegung – Beisammensein.